FOLKROCK Junip : Energie aus dem Keller

Wenn Musiker die Erfolgsleiter erklimmen, kann das ganz schön Druck erzeugen: Fans, Plattenfirmen, Medien, alle wollen was, und das am besten sofort. Das kann aber auch den gegenteiligen Effekt erzeugen. José González (Foto, links) etwa, der sich mit einfühlsamen Coverversionen wie „Teardrop“ (Massive Attack) oder „Heartbeats“ (The Knife) einen Namen gemacht und durch zwei Soloalben an die Spitze des Marktsegments „sensible Barden aus Skandinavien“ gepuscht hat, wirkt nicht, als würden ihn Erwartungen tangieren. Der 1978 in Göteborg geborene Sohn eines vor dem Junta-Regime geflohenen argentinischen Ehepaares lässt unbeeindruckt die Jahre verstreichen, die seit seinem gefeierten Zweitwerk „Veneer“ (2007) ins Land gehen. Vielmehr scheint ihm die materielle Abgesichertheit erst jene Seelenruhe zu verleihen, die für ein Projekt wie Junip hilfreich sind.

Dahinter verbirgt sich sein Trio mit zwei Freunden aus Göteborg, Schlagzeuger Elias Araya (Mitte) und Keyboarder Tobias Winterkorn (rechts). Mit beiden jammte González schon in den Neunzigern. Doch wegen González’ Soloerfolg blieb Junip ein Hobbyding, bis man sich endlich aufraffte und die Übungskellerenergie in Albumform goss. Und während González-Fans weiter auf neue Solomusik warten müssen, kommt drei Jahre nach dem Debüt „Fields“ bereits Album Nummer zwei, schlicht „Junip“ betitelt. Neu sind energische Stücke wie „Villain“, das in seiner Schroffheit auch von den Black Keys stammen könnte. Doch die Stärke von Junip bleibt ein behutsam entschleunigter, von José González in unnachahmlicher Sanftheit besungener Folkrock, in den sich allerlei psychedelische Untertöne einschleichen. Jörg Wunder

Astra Kulturhaus, So 5.5., 20 Uhr, 23 €

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