FOLKROCKThe Cranberries : Aus den Kriegstagebüchern

Für alle, die den Überblick verloren haben: Das Konzert der Cranberries, das ursprünglich für Ende Juni in der Zitadelle Spandau geplant war und zunächst auf den 1. November und in die Max-Schmeling-Halle verlegt wurde, soll nun eben dort am 8. Oktober stattfinden. Wir drücken die Daumen, dass es dabei bleibt. Ziemlich gewiss ist, dass die irische Folkrockband auch den einen großen Hit spielen wird, den man für immer mit ihnen verbindet. Und spätestens wenn Sängerin Dolores O’Riordan voller Inbrunst die Zeilen „In your Head / In your Head / Zombie Zombie Zombie ei ei, oh do do do do do do do do“ ins Mikrofon röhrt, dürften die Fans kein Halten mehr kennen.

Damals, 1994, konnte man dem leidenschaftlichen Protestsong, eine Art Trauerbewältigung für zwei bei einem IRA-Anschlag ums Leben gekommene Kinder, kaum entgehen: keine WG-Party, keine Studentenfete, keine Indie-Disco ohne „Zombie“. Zum vielleicht letzten Zeitpunkt, als sich in der Rockmusik alle auf einen gemeinsamen Nenner einigen konnten, machten die Cranberries Kasse. Dank der Zugkraft von „Zombie“ und der Vorgängersingle „Linger“ wurde die beiden ersten Alben – musikalisch beeinflusst von U2, R.E.M. und Sinéad O’Connor – gigantische Erfolge, die sich allein in den USA 12 Millionen Mal verkauften. Später trug die Band schwer an dieser Bürde, verirrte sich mit Stücken wie „Bosnia“ oder „War Child“ in pathetischen Gefilden, in denen sich ihre Landsleute U2 besser auskennen. Seit dem Abklingen des Hypes besinnen sich die Cranberries wieder mehr auf ihre folkigen Wurzeln, denen sie auch auf dem nach zehnjähriger Pause veröffentlichten Comebackalbum „Roses“ treu geblieben sind.Jörg Wunder

Max-Schmeling-Halle, Mo 8.10., 20 Uhr, 37,50 €

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