Zeitung Heute : Ford: Neuer Fiesta mit neuen Proportionen

Es geht wieder aufwärts bei Ford. Der Focus mit seinem mutigen Design machte einen viel versprechenden Anfang, der im vergangenen Jahr als großer Hoffnungsträger an den Start gegangene neue Mondeo kommt ebenfalls gut an, und nun holt man in Köln zum dritten Schlag aus. Denn im nächsten Frühjahr tritt der neue Fiesta an. Was uns dann erwartet, können wir allerdings schon in knapp zwei Wochen sehen. Denn ihren ersten großen Auftritt hat die nächste Generation des bewärten Kompakten aus Köln auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main.

Schon auf den ersten Blick zeigt der nächste Fiesta, aus welchem Stall er kommt. Der für die moderne Ford-Linie so typische flache elliptische Grill und das ebenso charakteristische New-Edge-Design lassen keine Verwechslung zu. Auch wenn der neue Fiesta nicht ganz so markant und kantig daherkommt wie der Focus, tritt er sehr kraftvoll und erwachsen auf. Das liegt nicht allein an den rundum um ein paar Zentimeter gewachsenen Dimensionen, sondern vor allem auch den veränderten Proportionen. Aus dem früheren Kleinwagen ist nun endgültig ein kompaktes Familienauto geworden, das, länger, breiter und vor allem auch höher als der Vorgänger, viel Platz verspricht - und dieses Versprechen auch überzeugend erfüllt.

Knapp 3,92 Meter misst der neue Fiesta in der Länge, wo er acht Zentimeter zugelegt hat, 1,68 Meter und damit fünf Zentimeter mehr in der Breite und mit knapp 1,42 Meter auch vier Zentimeter mehr in der Höhe. Bei einem Radstand von nun 2,49 Meter sind die Räder noch weiter an die äußersten Ecken der Karosserie gewandert, was vor allem dem Knieraum in Fond zugute kommt. Und stellt man den neuen Focus neben den neuen Polo, dann ist er, ausgenommen die Höhe, jeweils zwei bis drei Zentimeter größer als sein sehr rundlicher Wolfsburger Konkurrent mit den runden Doppelscheinwerfern.

Ford setzt auf betont große trapezförmige Scheinwerfer, die vorn ebenso alle Leuchtenfunktionen zusammenfassen wie hinten die beiderseits der Heckscheibe hoch in der C-Säule positionierten Heckleuchten. Große Fensterflächen mit einem dritten seitlichen Fenster lassen den Innenraum des vorerst nur als Fünftürer antretenden neuen Fiesta besonders hell erscheinen und ermöglichen in Verbindung mit einer um 45 Millimeter erhöhten Sitzposition eine besonders gute Rundumsicht. Der Fahrersitz und das zur Serienausstattung gehörende Lederlenkrad sind höhenverstellbar und bei Werkstoffwahl und Verarbeitung des Interieurs setzt man sichtbar auf Qualität und klare Linien und Symmetrie ohne New-Edge-Elemente. Und mit 284 Liter für einen Kompakten sehr groß ausgefallen ist der variable Laderaum.

Mit fünf Motoren - vier Benzinern und einem Common-Rail-Diesel - geht der Fronttriebler an den Start. Einstiegsmotorisierung ist der bewährte 1,3-Liter-Vierzylinder, der in zwei Leistungsstufen mit 43 und 50 kW (58 und 68 PS) angeboten wird, durchschnittlich 5,8 l/100 km verbraucht und wie alle Benziner die Abgasnorm EU4 erfüllt. Kräftiger sind die beiden Vierventiler mit 1,4 und 1,6 Liter Hubraum, die 58 und 74 kW (80 und 100 PS) leisten und mit durchschnittlich 6,1 und 6,6 l/100 km ebenfalls recht sparsam sind. Mit dem 1,6-Liter-Benziner ist der neue Fiesta mit 10,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 185 km/h sehr flott.

Respektable Fahrleistungen erlaubt aber auch das fünfte Triebwerk - ein 1,4-Liter-Turbodiesel mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzung und 50 kW (68 PS), der mit 14,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 164 km/h dem 1,4-Liter-Benziner bei den Fahrleistungen ebenbürtig ist, beim höchsten Drehmoment mit 160 Nm das stärkste und mit durchschnittlich nur 4,5 l/100 zugleich das sparsamste aller fünf Aggregate ist. Dieses Triebwerk wurde gemeinsam mit Peugeot/Citroën speziell für kleine und kompakte Fahrzeuge entwickelt und wird unter anderem auch den eben erst von uns vorgestellten kompakten Citroën C3 antreiben. Er erfüllt die Abgasnorm EU3.

Beim Fahrwerk des neuen Fiesta setzt Ford auf McPherson-Federbeine vorn und eine neu entwickelte Verbundlenkerachse. Straff abgestimmt soll dieses Fahrwerk in Verbindung mit einer Servolenkung hohe Fahrsicherheit und viel Fahrvergnügen bieten, ohne dass der Fahrkomfort dabei zu kurz kommt. Gebremst wird mit Scheiben vorn und Trommeln hinten und unterstützt durch ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und einen Bremsassistenten beim Spitzenmodell. Zur Markteinführung nicht verfügbar ist allerdings eine Fahrdynamikregelung, die erst später kommt.

Komplett präsentiert sich als "Intelligent Protection System" die Ausstattung für die passive Sicherheit. So gibt es Frontairbags mit zweistufiger, die Unfallschwere berücksichtigender Auslösung, Seitenairbags und auf Wunsch auch Kopf-Schulterairbags für die gesamte Fläche zwischen A- und C-Säule. Auf allen Plätzen gibt es Kopfstützen und Dreipunkt-Gurte, die vorn mit pyrotechnischen Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern ausgestattet sind. Zur Sicherheitsausstattung der bei Verwindungssteifigkeit und Crashsicherheit erheblich verbesserten Karosserie gehören auch bei einem schweren Unfall wegklappende Pedale.

Ford gibt seinem auf 14-Zoll-Rädern stehenden neuen Fiesta, der in den vier Ausstattungsversionen Basis, Ambiente, Trend und Ghia angeboten wird, bereits beim Basismodell eine recht umfangreiche Komfortausstattung mit auf den Weg, die angesichts des noch recht langen Zeitraums bis zur Markteinführung allerdings noch nicht in allen Details endgültig festgelegt ist. Und derzeit noch nicht festgelegt sind auch die Preise.

Neben dem Fünftürer und dem erst später erscheinenden Dreitürer wird es vom Fiesta mindestens zwei weitere Karosserievarianten geben. Die eine wird ein sehr kompakte Minivan sein - ein Microvan. Und außerdem kommt eine Ablösung für den Fiesta Courier, die sich am so erfolgreichen Konzept von Citroën Berlingo, Renault Kangoo und Co. orientiert. Wie der neue Corsa Combo von Opel wird er dann nach unverständlich langer Inaktivität der deutschen Hersteller endlich eine zweite deutsche Antwort auf diese so überzeugenden und so preiswerten Franzosen und Italiener fürs Gewerbe und vor allem auch für junge Familien.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar