Zeitung Heute : Formel 1: Digital und online

Gregor Wildermann

Die Startampel leuchtet nach und nach auf. Fünf rote Doppelampeln lassen die Spannung beim Großen Preis von Frankreich auf den Rängen spürbar steigen. Die Wagen der elf Teams lassen nach der Aufwärmrunde die Motoren aufheulen und jeder fragt sich, wer dieses Jahr diesen Großen Preis gewinnt. Wer den spannenden Showdown live nicht erleben kann, dem bleibt die TV-Übertragung. Abseits dessen bieten drei Hersteller von Videospielen die Möglichkeit, mit einer Rennsimulation auf der heimischen Konsole die Reifen qualmen zu lassen.

Dabei liegt der Hauptunterschied zwischen diesen Spielen im Datum ihrer Entstehung, was schon bei der Rennaufstellung zu Überraschungen führen kann. Zwar sitzen beim McLaren-Mercedes-Team schon seit drei Jahren Häkkinen und Coulthard im Cockpit, doch bei Ferrari war 1999 noch Eddie Irvine der zweite Mann nach Michael Schumacher. Somit merkt man bei "F1 Racing Championship" vom französischen Publisher UbiSoft recht schnell, das hier die Aktualität schon länger einen Boxenstopp hinter sich hat. Dabei ist der UbiSoft-Titel, der für Sonys PlayStation 2 und Segas Dreamcast-Konsole erhältlich ist, fahrerisch zu empfehlen. Die Wagen machen zwar stellenweise den Eindruck, wie auf Schienen über den Asphalt zu jagen, aber die grafische Umsetzung und die Dynamik stimmen.

Als zweiter Titel im Rennen um die Gunst der Hobbyfahrer geht das von Electronic Arts veröffentlichte Spiel "F1 Championship Season 2000" ins Rennen. Auch hier muss man in Bezug auf die Aktualität eindeutige Abstriche machen: Bei Williams-BMW ist Jenson Button noch zweiter Fahrer hinter Ralf Schuhmacher und der diesjährige Neuling Juan Pablo Montoya kommt gar nicht vor. Wesentlich aktueller ist da schon das seit Anfang Juni im Handel erhältliche Sony-Spiel "Formel Eins 2001", das für die PlayStation 2 und die PS 1 erschienen ist. Auf den 17 Strecken wird hier unter der Moderation der beiden RTL-Kommentatoren Christian Danner und Heiko Wasser um Rennpunkte gekämpft.

Bemerkenswert beim Sony-Titel sind die Details der einzelnen Fahreinstellungen. Die Kupplung muss beim Start oder Gangwechsel langsam losgelassen werden, ansonsten wird der Motor abgewürgt und der Formel-Eins-Pilot bleibt direkt hinter der Start-Ampel kleben. Wer selber am Spielcontroller mal erleben will, was beim Ausschalten der Traktionskontrolle passiert, wird schnell verstehen, warum Computertechnik in der Formel 1 so wichtig geworden ist. Denn nur auf das Gaspedal drücken führt dann zum wilden Ausbrechen des hinteren Wagenteils.

Insgesamt 30 verschiedene Modifikationsmöglichkeiten wie Reifenwahl oder Aerodynamikveränderungen erzielen ein spürbar anderes Fahrverhalten. Auch die Aktivierung der Schadensoption trägt zu gesteigertem Realismus bei, auch wenn die Wagen bei Zusammenstößen noch etwas künstlich in die Höhe steigen. Der Zuschauer-Modus, der als eine Art Wiederholung die Rennabläufe nochmals abspult, verleiht dem Sony-Titel fast schon das Flair der Fernsehübertragung. In diese Richtung zielt auch die kostenlose Bonus-DVD, die dem PS 2-Spiel beiliegt und in realen Bildern die letztjährige Saison Revue passieren lässt. Diese Zugabe hat nicht nur einen informativen Hintergrund: Damit will Sony natürlich auch noch mal die Vorteile seines DVD-Feature der PlayStation 2 unterstreichen.

Für ganz eifrige Rennfahrer bauten die Entwickler von "Formel Eins 2001" auf dem Circuit de Spa-Francochamps (Belgien) noch einen Time-Code ein. Dieser registriert die eigenen Rundenzeiten, die man dann bis Ende Juli auf der Internetseite des Spiels eingeben kann. Dem Gewinner dieses virtuellen Rennens winkt dann als Preis ein Ausflug nach Indianapolis.

Glaubt man den Plänen der Entwickler, dürfte mangelnde Aktualität der Rennsimulationen bald der Vergangenheit angehören und gleichzeitig eine ganz neue Form der Interaktivität hervorrufen. Denn noch dieses Jahr soll eine neue Festplatte sowie eine Modemverbindung für die Sony-Konsole erhältlich sein. Damit ließen sich dann aktuelle Daten aus den Rennergebnissen übertragen. Der Onlinezugang macht es denkbar, das jeder Spieler das Rennen zeitgleich zu Hause mitfährt und damit sogar die Chance hat, vor Schumacher & Co über die Ziellinie zu gehen. Boris Schneider-Johne, der Pressesprecher von Microsofts neuer Spielkonsole X-Box, sieht mit der eingebauten 10-Gigabyte-Festplatte noch ganz andere Detailmöglichkeiten: "Mit der Festplatte wird es zum ersten Mal möglich sein, dass sich die Spiele Details über Wochen und Jahre merken."

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