Zeitung Heute : Forschen, fördern und verdienen

Die vielfältige Vernetzung der Wissenschafts- und Wirtschaftseinrichtungen macht Adlershof für Investoren interessant

Reinhart Bünger

Nach den Worten Karl Valentins war früher selbst die Zukunft besser. Die jüngste Entdeckung der „neuen Erde“ scheint dem Münchner Kabarettisten und Komiker Recht zu geben: Ist es nicht tröstlich zu wissen, dass es da draußen im All so etwas wie einen Reserveplaneten gibt? Ohne Wissenschaftsstandorte wie Adlershof ließe sich wenig mit derartigen Erkenntnissen anfangen – zumal der Planet 20 Lichtjahre entfernt liegen soll, das sind 200 Billionen Kilometer.

„Die neu entdeckte ,zweite Erde‘ ist zwar wissenschaftlich höchst interessant, aber nicht praxisrelevant“, sagt Hans Jürgen Prömel, Vizepräsident für Forschung der Humboldt-Universität zu Berlin. Er bleibt lieber mit beiden Beinen auf der Erde. Der Informatiker ist dem Weltlichen zugetan und plädiert für anwendungsorientierte Forschung, wie sie seit fünf Jahren jährlich mit dem Dissertationspreis Adlershof ausgezeichnet wird.

Den Preis vergeben gemeinsam die Humboldt-Universität zu Berlin, die Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof e. V. (IGAFA) und die Wista-Management GmbH an Adlershofer Nachwuchsforscherinnen und -forscher.

„Adlershof ist ein Ort der Synergien“, sagt Günther Tränkle, Direktor des Ferdinand-Braun-Instituts und Vorstandsmitglied der IGAFA, „auf vielfältige Weise kooperieren hier universitäre und außeruniversitäre Forschung, etablierte Hochtechnologie-Unternehmen und innovative Start-ups und das schafft einen echten Mehrwert für alle Beteiligten.“ Die IGAFA versteht sich dabei als Dienstleister für wissenschaftliche Infrastruktur und Serviceleistungen. Der Verein führt wissenschaftliche Veranstaltungen durch und betreibt – unter anderem – zwei internationale Begegnungszentren in Adlershof und in Köpenick.

Der Wissenschaftsstandort Berlin Adlershof ist Sitz von zwölf Außeruniversitären Forschungsinstituten, sechs mathematisch-naturwissenschaftlichen Instituten der Humboldt-Universität zu Berlin und über 700 Unternehmen. Diese Mischung scheint zu stimmen. Denn der Standort meldete für 2006 gegenüber dem Vorjahr 889 neue Stellen sowie steigende Umsätze. Besonders bemerkenswert: Die steigenden Umsätze wurden durch die bereits in Adlershof ansässigen Unternehmen erzielt, nicht durch Neuansiedlungen wie noch im Jahr 2005. Der Fördermittelanteil spielt heute eine weitaus geringere Rolle als vor zehn Jahren. Weil die Technologiezentren des Wissenschafts- und Technologieparks Ende 2006 zu 93 Prozent ausgelastet waren, hat der Standortbetreiber, die Wista-Management GmbH, bei der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen Projektanträge für vier neue Technologiezentren eingereicht.

Standortmanager Hardy Rudolf Schmitz, Geschäftsführer der Wista-Management GmbH, sieht Adlershof inzwischen „aus eigener Kraft“ wachsen. Im Rückblick auf fünf Jahre Dissertationspreis Adlershof, sei es inzwischen erwiesen, dass der Standort eine hohe Akzeptanz als Wirtschaftsfaktor genieße – und einen guten Ruf habe: „Wir haben es hier immer wieder vermocht, neue Forschungsinitiativen anzusiedeln.“ Zugleich sei die Mischung der Institute gelungen. Und: der Standort sei „stark werblich, vertrieblich orientiert“.

Für die „neue Erde“ könnte hier auch etwas getan werden, meint Schmitz. Ohne den im Jahr 1992 gegründeten Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Adlershof sei an Beobachtungen des Weltraums mit Kameras und Satelliten hierzulande schließlich gar nicht zu denken. „Der Standort Adlershof hat eine Entwicklung durchgemacht, die ich nicht für möglich gehalten hätte“, sagt auch Prömel. „Aus Sicht der Universität ist das ein sehr spannender Platz. Die Institute für Physik und Chemie zum Beispiel liegen 20 Meter auseinander und auch das Max-Born-Institut ist gleich um die Ecke – gemeinsame Projekte sind so sehr viel einfacher zu realisieren.“

In anderen Ländern, so Schmitz, ist den Universitäten anders als in Deutschland eingeschrieben, dass auch sie einen wirtschaftlichen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen haben. Zum Beispiel durch Kontakte zur Industrie. Sie können in Adlershof zwar hergestellt werden – doch in vergleichbaren Standorten wie Kopenhagen, Helsinki oder Stockholm ist dies schon länger Praxis, längst selbstverständlich. Auf der anderen Seite leben die auf die Nutzung moderner Technologien ausgerichteten mittelständischen Unternehmen in Adlershof in Sachen Know-how und Manpower stark von den Instituten.

Bei der Auswahl des Dissertationspreisträgers 2006 hat sich die Jury nach Prömels Angaben erneut schwer getan: „Zur Auswahl des diesjährigen Preisträgers hatten wir 11 Vorschläge – auf den ersten Blick erscheint das nicht viel, schaut man jedoch auf die Qualität der Vorschläge, ist die Zahl beeindruckend. In den ersten Jahren der Preisvergabe hatten wir zwar viele Vorschläge, aber nur wenige waren preiswürdig.“

Die feierliche Preisverleihung des Dissertationspreises Adlershof 2006 findet am heutigen Freitag ab 16 Uhr statt im Konferenzraum des Erwin-Schrödinger-Zentrums, Rudower Chaussee 12, 12489 Berlin. Wer daran teilnehmen möchte, hat noch Gelegenheit sich anzumelden im Wissenschaftsbüro der IGAFA unter Tel. 6392 3587.

Weitere Informationen unter:

www.adlershof.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!