Zeitung Heute : „Forschendes Lernen kommt zu kurz“

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Die Autoren der Pisa-Studie führen das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler unter anderem darauf zurück, dass die vorschulische Bildung vernachlässigt werde. Wo hakt es denn in den deutschen Kindergärten?

In den letzten dreißig Jahren hat man das Schwergewicht einseitig aufs soziale Lernen gelegt. Forschendes Lernen kommt zu kurz. Auch mit kleinen Kindern kann man etwa die Grundelemente untersuchen: Wie entsteht Erde, Regen, Wind? Wie kommt das Wasser in den Wasserhahn? Welche Materialien brennen? Was bleibt zurück?

Bildung im Kindergarten: Heißt das Lehrpläne, Zeugnisse, Auswendiglernen?

Nein. Es bedeutet zunächst einmal, eine anregungsreiche Umgebung zu schaffen, damit die Kinder selbst zu Entdeckern werden können. Ein Beispiel: Ein Waschraum sollte nicht nur zum Waschen benutzt werden, sondern auch für Experimente. Es sollte Rohre geben, Becher unterschiedlicher Größe, damit die Kinder Wasser umfüllen können und merken, dass in einem schmalen hohen Glas genauso viel Wasser ist wie in einem niedrigen breiten. Es sollte auch Lupen und Mikroskope geben und andere Werkzeuge, die den Forscherdrang anregen.

Sie entwickeln im Rahmen einer nationalen Initiative Kriterien, wie sich Qualität in Kindergärten messen lässt. Worauf kommt es an?

Wir erarbeiten Merkmale, anhand derer die Einrichtungen selbst ihre Qualität weiter entwickeln können. Darin stehen Fragen wie: Gibt es regelmäßige Gespräche mit den Eltern über die Entwicklung des Kindes - nicht nur einen Elternabend alle drei Monate? Ist das Material in den Räumen für die Kinder erreichbar oder muss die Erzieherin es hervorholen? Hat sie Zeit, sich um Kinder nicht-deutscher Familiensprache auch einzeln zu kümmern? Beobachtet, dokumentiert sie den Entwicklungsstand des Kindes?

Sind die Erzieherinnen und Erzieher auf ihre Bildungsaufgaben ausreichend vorbereitet?

In der Regel nicht. Die Erzieherausbildung sollte mindestens auf Fachhochschulniveau angehoben werden. Da sind sich alle einig.

Warum geschieht es dann nicht?

Weil manche immer noch glauben: Je kleiner die Kinder, desto weniger Ausbildung braucht das Personal. Und: weil Erzieherinnen dann besser bezahlt werden müssten.

Das Gespräch führte Elisabeth Mortier.

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