Zeitung Heute : Forscher klonen Embryo aus Hautzellen

US-Wissenschaftlern gelingt Durchbruch / Stammzellen konnten noch nicht gewonnen werden

Bas Kast

Berlin - US-Wissenschaftler haben erstmals einen menschlichen Embryo aus einer Hautzelle geklont. Damit sind sie dem medizinischen Traum, eines Tages maßgeschneidertes Ersatzgewebe für jeden Patienten herstellen zu können, ein Stück näher gekommen. Das Team unter Leitung des Stammzellforschers Andrew French vom Unternehmen Stemagen im kalifornischen La Jolla berichtet darüber in dem Fachmagazin „Stem Cells“.

Für ihr Verfahren verwendeten die Forscher knapp 30 Eizellen von drei 20- bis 24-jährigen Frauen. Zunächst entfernten sie das Erbgut aus den Eizellen, das sich im Zellkern befindet. In diese jetzt „entkernten“ Eizellen schleusten sie das Erbgut aus den Hautzellen eines anderen, erwachsenen Menschen. So entstanden gut 20 Embryonen, von denen fünf überlebten und zu Blastozysten heranwuchsen – ein frühes Entwicklungsstadium des Embryos aus bis zu rund 70 Zellen. Danach wurde das Experiment abgebrochen.

Aus diesen Embryonen Stammzellen zu gewinnen, das große Ziel der Forscher, gelang dem Team nicht. Stammzellen sind Urzellen des Körpers, die sich noch zu jedem Gewebe entwickeln können, etwa zu Herz- oder Hirnzellen. Das Klonen wiederum eröffnet die Chance, gezielt Stammzellen herzustellen, die mit dem Erbgut eines Patienten identisch sind. Der Vorteil: Das Gewebe, das man aus diesen Stammzellen bilden könnte, würde vom Körper des Patienten nicht abgestoßen. Als Nächstes wollen die Forscher versuchen, an die begehrten Stammzellen heranzukommen. „Unsere Resultate sind noch lange nicht das letzte Wort zum Thema“, sagte Studienleiter Andrew French.

2004 hatte der Südkoreaner Hwang Woo Suk verkündet, er hätte einen menschlichen Embryo geklont. Hwang jedoch stellte sich als Fälscher heraus. Seither sieht man kritischer auf Erfolgsmeldungen der Stammzellforscher. Um sicherzugehen, hat das Team aus Kalifornien seine geklonten Embryonen einem DNS-Test unterzogen und bei dreien festgestellt, dass sie tatsächlich Erbgut des Spender-Mannes enthielten.

„Der genetische Nachweis ist erbracht“, bestätigte der Stammzellforscher Jürgen Hescheler von der Universität Köln dem Tagesspiegel. „Es ist eine technisch gute Arbeit, die uns der Therapie näher bringt.“ Ein entscheidender Grund für den Erfolg der Kalifornier liegt offenbar an den Eizellen: Sie kamen von sehr jungen Frauen und wurden sofort nach der Gewinnung verwendet.

Die Erzeugung von Embryonen zu Forschungszwecken ist in Deutschland verboten. Sie ist aber nicht die einzige Methode zur Herstellung maßgeschneiderter Stammzellen. So sind Forscher auch dabei, erwachsene Zellen mit Hilfe von Genen zu verjüngen – ohne Embryo. Nach einer Umfrage des Bundesverbands Lebensrecht finden es 65,2 Prozent der Bürger richtig, dass für die Forschung in Deutschland kein menschlicher Embryo zerstört werden darf.

In Großbritannien erhielten Wissenschaftlern am Donnerstag die Erlaubnis, menschliche Embryonen zu Forschungszwecken mit Hilfe von Eizellen von Kühen und anderen Tieren zu erzeugen.

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