Zeitung Heute : Forscherin im Dickicht des Internets

Heiko Schwarzburger

Die erste von vier Professuren im neuen T-Lab an der TU Berlin wurde bereits vergeben: Seit Beginn des Wintersemesters residiert die Netzwerkexpertin Anja Feldmann in ihrem neuen Labor am Ernst-Reuter-Platz. Die 40jährige Informatikerin beschäftigt sich seit Jahren damit, Netzwerke wie das Internet noch schneller, leistungsfähiger und zuverlässiger zu machen. „Das Internet fällt meistens dann aus, wenn man es gerade dringend braucht“, meint sie. „Um seine Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit zu verbessern, müssen wir die enorme Komplexität des Internets verstehen.“ Das Netz der Netze spannt sich um die ganze Welt, mehrere Milliarden Schaltknoten sind miteinander gekoppelt. Allein in Deutschland eilen jeden Tag Datenströme durch die Kabel und den Äther, die Billionen Byte zählen. „Die Zahl der Endgeräte ist nicht zu überschauen“, sagt Feldmann. „Alle Computer, Handys, Laptops und Server zusammen genommen, ergeben eines der komplexesten technischen Systeme überhaupt.“

Hinzu kommt die rasante technische Innovation in diesem Geschäft: immer höhere Bandbreiten, immer neue Rekorde bei den Übertragungsgeschwindigkeiten der Daten und immer neue Dienste, wie IPTV-Fernsehen via Internet.

Vor ihrem Wechsel nach Berlin war Anja Feldmann vier Jahre an der TU München tätig, davor forschte sie mehrere Jahre lang in den USA, beim Telekommunikationskonzern AT&T. „Hier in Berlin habe ich wieder die Möglichkeit, Industrieforschung und Universität unter einen Hut zu bringen“, sagt sie. „Aus der Telekom erfahren wir, wo die Probleme und Anforderungen liegen, und wir können die Daten aus dem Unternehmen für unsere Forschungen nutzen. Das ist für Außenstehende viel schwieriger.“ Die Forscherin fährt fort: „ Die TU bietet uns alle Vorzüge einer modernen Forschungsuniversität: Wir holen junge Leute nach Berlin und bieten ihnen attraktive Arbeitsmöglichkeiten.“

Zurzeit forscht ein Dutzend Doktoranden an Feldmanns Lehrstuhl, dazu kommen mehr als zehn promovierte Wissenschaftler, die in Projekten eng mit dem Forschungsteam der Telekom zusammenarbeiten. Die Ergebnisse fließen direkt an die Kooperationspartner zurück und werden dort optimiert, für noch bessere Netze und beste Übertragungsqualität.

Die Deutsche Telekom AG hatte im April 2005 die Deutschen Telekom Laboratories (T-Labs) als gemeinsames An-Institut mit der TU Berlin gegründet. Seinen Sitz hat das Forschungslabor in den oberen Etagen des TU-Hochhauses. Dort sollen rund 75 Forscher neue Ideen für die Telekommunikation umsetzen: für das Internet, Telefonie, Datentransfers und elektronische Dienste zum Beispiel für Handys.

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