Zeitung Heute : Forschung fordern und fördern

Ohne Anschubfinanzierung bleibt die Elektromobilität in Ansätzen stecken. Ein Überblick über die Förderszenarien in Deutschland

Maximilian Demandowsky
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„Harry, lad’ schon mal den Wagen.“ Ein Tesla-Elektroauto steht hier in Essen unter Strom. Der Energiekonzern RWE weitet sein...dpa

Alle Welt ruft nach dem Elektroauto. Viele Autofahrer stehen dem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber: Elektroautos sind sauber, leise und meistens knuffig. Vor allem aber sind sie derzeit noch so gut wie unbezahlbar. Renault-Chef Carlos Ghosn sagt ganz offen, dass die alltagstauglichen Modelle, die ab 2010 auf den Markt kommen sollen, ohne staatliche Subventionen kaum erschwinglich sein dürften. Wie und durch wen werden Elektroautos gefördert?

Im Rahmen ihres „Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität“ hat die Bundesregierung angekündigt, 500 Millionen Euro zur Förderung der Zukunftstechnologie bereitzustellen. Das Geld kommt aus den Mitteln des Konjunkturpakets II. Ziel des Nationalen Entwicklungsplans ist es, die Forschung und Entwicklung, die Marktvorbereitung sowie die Markteinführung von Elektrofahrzeugen mit Batterien voranzubringen. Insgesamt fünf Ministerien sind an dem Plan beteiligt. So will das Bundesumweltministerium Elektroautos mit staatlicher Unterstützung zum Durchbruch verhelfen. Der Kauf solcher Fahrzeuge solle in der ersten Phase der Markteinführung 2012 bis 2014 mit 3000 bis 5000 Euro pro Wagen gefördert werden. Nach Angaben des Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee befindet sich Deutschland auch auf diesem Feld in einem gnadenlosen Wettbewerb. China und Japan investierten bereits seit geraumer Zeit erhebliche Summen in neue Antriebsarten, zu denen auch Wasserstoff und Brennstoffzellen gehörten.

Doch was macht die Elektroautos so teuer? Es sind die Batterien mit hoher Dichte. Ohne Batterien läuft kein Elektroflitzer – sei es nun der Elektro-Roadster von Tesla oder die auf der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung IAA angekündigte Familienkutsche von Renault. Gefördert werden sollen im Rahmen des deutschen Programms nur mit Ökostrom betriebene reine Elektroautos, Fahrzeuge mit kombiniertem Elektro- und Spritantrieb und Auflademöglichkeiten vom Netz sowie Fahrzeuge mit Brennstoffzelle. Das Bundesumweltministerium unterstützt zudem mit 9,5 Millionen Euro die Entwicklung und Erprobung eines elektrisch betriebenen Kleinlasters für den städtischen Lieferverkehr durch die Karmann e-Mobil GmbH. Eine entsprechende Absichtserklärung hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dem Osnabrücker Unternehmen gegeben. Im Rahmen des bis Ende 2011 laufenden Projekts soll der Elektro-Transporter „Fleet Explorer“ entstehen und im Anschluss von der Deutschen Post in Berlin auf seine Alltagstauglichkeit getestet werden. Das Bundesverkehrsministerium hat mittlerweile acht Modellregionen zur Weiterentwicklung der Elektromobilität benannt. Insgesamt stehen dafür 115 Millionen Euro aus der Staatskasse und die gleiche Summe aus privaten Investitionen für die Regionen Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, München, Rhein-Main und Rhein-Ruhr zur Verfügung. Das Programm läuft bis Ende 2011, die Markteinführung von Elektroautos ist für 2012 bis 2016 vorgesehen.

Auch das Fraunhofer-Projekt „Systemforschung Elektromobilität“ ist mit insgesamt 34 Fraunhofer-Instituten an den Programmen beteiligt. Fraunhofer erhielt bereits 14 Millionen Euro für Investitionen in die Elektromobilität aus dem Konjunkturprogramm I, das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellte mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II weitere 30 Millionen Euro zur Verfügung. Als Teil der Fraunhofer-Systemforschung Elektromobilität gründete sich erst kürzlich das „Forum Elektromobilität“, um die Akteure aus Politik, Wissenschaft und Industrie zu vernetzen. Holger Hanselka, Institutsleiter beim Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF und Hauptkoordinator der Fraunhofer-Gesellschaft zum Thema Elektromobilität, nennt die Forschungsschwerpunkte: „Wir untersuchen die Bereiche Fahrzeugkonzepte (Antriebe), Speicherung (Batterie), Energiekonzepte (Netze) und die gesellschaftspolitische Diskussion (Akzeptanz der Technik).“

Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag des Bundesumweltministeriums könnte Geld – wie die Abwrackprämie – direkt an die Autokäufer gezahlt werden. Eine andere Möglichkeit sei, auf E-Autos den ermäßigten Mehrwertsteuersatz anzuwenden. Zusätzlich sei aber auch eine weitere Förderung notwendig, etwa durch besondere Rechte für Elektroautos im Verkehr, heißt es in dem Gutachten. Denkbar sei, dass sie Busspuren oder besondere Parkplätze benutzen dürfen. Zudem könnten die strombetriebenen Wagen attraktiver werden, indem das Fahren klassischer Autos mit Benzin- oder Dieselmotor über eine höhere Besteuerung des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes teurer gemacht werde. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen.

Nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist das Elektroauto-Förderprogramm völlig unzureichend. Das von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der IAA angekündigte Konjunkturprogramm II nannte er in dieser Hinsicht „lächerlich“. „Sie hat 500 Millionen ausgegeben für Elektromobilität der Zukunft und sie hat fünf Milliarden ausgegeben für die Abwrackprämie – für ein Programm von vorgestern“, kritisierte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft der Universität Duisburg-Essen gegenüber dem Fernsehsender „Phoenix“. Den Kauf von Elektroautos mit 5000 Euro subventionieren zu wollen, sei nur Wahlkampftaktik.

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