Zeitung Heute : „Forschung in ganzer Bandbreite vernetzen“

Ein Gespräch mit International-Council-Mitglied Isaiah Arkin.

Foto: Bernd Wannenmacher
Foto: Bernd Wannenmacher

Der Biochemiker Isaiah Arkin ist seit 2009 Vizepräsident der Hebrew University of Jerusalem. Zwischen der israelischen Hochschule und der Freien Universität besteht seit 1986 eine Kooperation, seit 2011 ist sie auch eine der strategischen Partneruniversitäten der Freien Universität. Ziel einer solchen Partnerschaft ist es, die Institutionen in Lehre, Forschung und Verwaltung stärker zu vernetzen. Rund 30 Wissenschaftler der Freien Universität aus allen Fachbereichen arbeiten mit Kollegen in Jerusalem zusammen.

Seit gut einem Jahr sind die beiden Universitäten strategische Partner. Was ist seitdem passiert?

Wir haben es geschafft, deutlich mehr gemeinsame Forschungsprojekte auf den Weg zu bringen. Viele Wissenschaftler wurden hier aktiv, sie haben festgestellt, dass es eine Chance ist, die sie wahrnehmen sollten.

Nicht nur Studierende, Nachwuchsforscher und Wissenschaftler profitieren von der Kooperation. Es gibt auch einen Austausch auf der Verwaltungsebene.

Ja, das war eine wunderbare Idee. Oftmals erkennt man in der wissenschaftlichen Welt nicht, wie wichtig für den Erfolg Fachleute in der Verwaltung sind. Wir haben uns sehr gefreut, als uns ein Mitarbeiter des Center for International Cooperation für zwei Wochen in Jerusalem besucht hat. Meistens haben wir ihn befragt: Wenn Sie sehen, wie wir hier die Dinge organisieren – wie machen Sie das an der Freien Universität? Vielleicht können wir da etwas lernen? Eine wichtige Erkenntnis für uns war, dass die Freie Universität sich bei ihren Kooperationen auch nach Osten hin orientiert, wohingegen die Hebrew University bislang nur nach Westen schaut.

Gibt es Gebiete, auf denen besonders eng kooperiert wird?

Die Antwort darauf ist kurz: nein. Das Großartige an einer strategischen Partnerschaft ist die Kooperation auf Universitätsebene. Die gemeinsamen Projekte reichen von der Medizin bis zur Mathematik und schließen die an beiden Universitäten sehr starken Geistes- und Sozialwissenschaften ein. Wir wollen nicht nur, dass sich zwei einzelne Wissenschaftler für einen Nanotechnologie-Antrag zusammentun. Wir wollen Forschung in ihrer ganzen Bandbreite vernetzen.

Sie sind neu in den International Council der Freien Universität berufen worden. Wozu würden Sie raten?

Das Gleichgewicht in der internationalen Wissenschaftsszene verschiebt sich. Amerika und Asien werden zunehmend dominant. Für die Länder dazwischen könnte das zum Problem werden. Die europäischen Hochschulen müssen sich stärker profilieren. Die Freie Universität hat schon darauf reagiert. Durch mehr strukturierte Doktorandenprogramme wurde sie zum Beispiel attraktiver für Studierende aus dem Ausland.

Haben Sie an der Hebrew University of Jerusalem ähnliche Probleme?

Auf jeden Fall! Wir haben zum Beispiel ein Problem, weil wir die Hebräische Universität in Jerusalem sind. Unsere Unterrichtsprache ist Hebräisch. Es gibt viel weniger Menschen, die Hebräisch verstehen, als Menschen, die Deutsch verstehen. Deshalb müssen wir versuchen, uns international noch stärker auszurichten. Wir haben aus diesem Grund die Zahl der Kurse erhöht, die auf Englisch unterrichtet werden. Und mit herausragenden Wissenschaftsorten wie der Freien Universität Berlin zu kooperieren, ist sicher einer der besten Wege, international besser sichtbar zu werden.

Die Fragen stellte Nina Diezemann.

Isaiah Arkin von der Hebräischen Universität Jerusalem ist seit diesem Jahr Mitglied des International Council der Freien

Universität.

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