Forschungszentrum : Am Karlsruher Institut für Technologie wird die Forschung optimal vernetzt

1100 Mitarbeiter hat allein das Zentrum Energie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Und es will weiter wachsen.

Bettina Mittelstraß
Alle 65 Institute (hier das für Thermische Strömungsmaschinen) bündeln ihre Kräfte in verschiedenen Arbeitsbereichen.
Alle 65 Institute (hier das für Thermische Strömungsmaschinen) bündeln ihre Kräfte in verschiedenen Arbeitsbereichen.Foto: KIT

„Wir haben das Ziel vor Augen, Europas größtes Forschungszentrum im Bereich Energie zu werden“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Breh. Und der junge Riese KIT hat bereits dafür gesorgt, dass er 2010 Teil eines noch größeren Ganzen wurde: der Europäischen Knowledge and Innovation Community (KIC) „InnoEnergy“, die das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT) ins Leben gerufen hat.

„Das KIT-Zentrum Energie ist ein Instrument, das die Forschung strategisch orientieren soll“, sagt Breh. „Das gibt den Wissenschaftlern die Möglichkeit, noch besser auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Forschung zu reagieren.“ Mit der Idee für den Zusammenschluss der Technischen Universität Karlsruhe und des Forschungszentrums Karlsruhe war die Hochschule beim Zukunftskonzept für die erste Ausschreibung der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder 2006 erfolgreich. Seit Oktober 2009 sind Uni und Forschungszentrum nun zu einer rechtlichen Einheit, dem KIT, fusioniert.

Damit die über tausend Forschenden aus 65 Instituten, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Energie beschäftigen, ihre Kräfte besser bündeln können, gliedert das KIT-Zentrum die Forschung in sieben Bereiche: Energieumwandlung, Erneuerbare Energien, Verteilung und Speicherung, effiziente Energienutzung, Fusionstechnologie, Nukleare Energie und Sicherheit sowie Energiesystemanalyse. „Wir decken damit nahezu alle Bereiche ab, in denen zur Zukunft der Energieversorgung weltweit geforscht wird“, so Breh. „Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für den Energiemix von morgen.“

Davon profitiert auch der wissenschaftliche Nachwuchs. Denn das KIT vereint die Mission einer Landesuniversität mit der eines nationalen Großforschungszentrums: Lehre und Forschung sind enger verzahnt, es wird interdisziplinär geforscht, grundlegend ebenso wie anwendungsorientiert. Das KIT fördert den eigenen Nachwuchs außerdem zusätzlich. Schlüsselqualifikationen für Studium, Beruf und Gesellschaft vermittelt das House of Competence. Die Kommunikationsplattform „Karlsruhe House of Young Scientists“ (KHYS) unterstützt Doktoranden, etwa über Stipendien für Auslandsaufenthalte. Nachwuchsforscher können finanzielle Hilfe für eigene Research Groups bekommen. Und im Aufbau befindet sich eine KIT School of Energy, die Masterausbildung, Doktorandenförderung sowie Weiterbildungen für die Industrie vorsieht. Außerdem soll der Nachwuchs seine Forschung besser in marktfähige Produkte umsetzen können. „Wir versuchen, unsere Studierenden früh an den Gedanken heranzuführen, eigene Unternehmen zu gründen“, so Breh. Da kam auch die Initiative des EIT gerade recht, in Europa mit den KIC’s für mehr Innovation in wichtigen Bereichen wie der Energieforschung zu sorgen. Denn in der Umsetzung der Forschung in innovative Produkte habe Europa im weltweiten Vergleich Aufholbedarf.

Das KIT-Zentrum Energie koordinierte die erfolgreiche Bewerbung des Konsortiums „KIC InnoEnergy“ mit 35 Partnern aus Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Universitäten und Business School. Die Strukturen der Vernetzung werden immer größer, und der Verdacht drängt sich auf: je mehr Leute in einem „Verein“, desto anonymer die Begegnung. Doch genau gegen die isolierte Betrachtung von Forschung und Forschungsergebnissen geht „KIC InnoEnergy“ vor. „Das Stichwort heißt face to face“, sagt Breh. So kommen Unternehmer, Wissenschaftler und Studierende in regionalen Zentren in Stockholm, Krakau, Eindhoven-Leuven, Grenoble, Barcelona, Karlsruhe und Stuttgart zusammen. Ihr Ziel: sichere, klimaneutrale und finanzierbare Energietechnologien schneller auf den Markt bringen und für Europa ein nachhaltiges Energiesystem schaffen.Bettina Mittelstraß

Mehr im Internet:

www.kit.edu, www.eit.europa.eu

www.kic-innoenergy.com

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