Zeitung Heute : Forstverwaltung stoppt Rodung – vorläufig

Der Tagesspiegel

Reinickendorf. Nach Protesten von Naturschützern ist die Rodung eines 50 000 Quadratmeter großen Waldstücks im Landschaftsschutzgebiet Jungfernheide gestern gestoppt worden. Wie berichtet, sollen in der Einflugschneise des Flughafens Tegel bis zu 10 000 Kiefern gefällt werden. Angesichts der warmen Witterung wird jetzt geprüft, ob bereits Belange des Artenschutzes tangiert sind, so der Sprecher der Berliner Forsten, Marc Franusch.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Berlin (BUND) beantragte unterdessen eine einstweilige Verfügung gegen die Fällaktion. Die Genehmigung sei nicht ordnungsgemäß erteilt worden, erklärte BUND-Geschäftsführer Stefan Bundscherer am Mittwoch. Die zuständige Naturschutzbehörde hätte die Fällaktion genehmigen und dabei Naturschutzverbände begfragen müssen. Die Rodung sei „ein klarer Verstoß“ gegen das Naturschutzgesetz und die EU-Vogelschutzrichtlinie, hatte zuvor die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, erklärt. Sie forderte eine sofortige Einstellung „der sinnlosen Barbarei“. Das laut Naturschutzgesetz ab dem 1. März bestehende Fällverbot gilt nicht für die Forsten. Nach deren Richtlinien beginnt die zu schützende Brutzeit erst am 1. April. Da aber bei den Vögeln bereits „gewisse Paarungsaktivitäten und Nistplatzvorbereitungen“ zu beobachten sind, sollen jetzt noch einmal Fachleute konsultiert werden, sagte Franusch.

Bis heute soll entschieden werden, ob die Arbeiten fortgesetzt oder auf den Herbst verschoben werden. Dabei sei auch zu berücksichtigen, welche Konsequenzen sich für den Flugbetrieb ergeben würden, so der Sprecher. Wie berichtet, sollen die fünf Hektar Wald in eine „Strauch- und Wiesenlandschaft“ umgewandelt werden. Ein Teil der bis zu 20 Meter hohen Bäume ist in den Sicherheitsbereich der Einflugschneise des Flughafens gewachsen, der frühestens 2007 geschlossen werden soll.

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) habe „demokratische Beteiligungsrechte“ außer Kraft gesetzt, erklärte Claudia Hämmerling. Derartige Eingriffe seien rechtzeitig in den zuständigen Gremien zu erörtern und es müsse nach Alternativen gesucht werden. „Die Bäume stehen nicht erst seit gestern da“, kritisierte auch Marian Przybilla von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die plötzliche Aktion. Möglicherweise würde auch die Herausnahme einzelner Bäume ausreichen, um die Flugsicherheit zu gewährleisten.

Die Arroganz, mit der die Bezirke vom Senat „in Gutsherrenart“ behandelt werden, sei „durch nichts mehr zu überbieten“, erklärte Reinickendorfs Bürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU). „Wir sollen als Erfüllungsgehilfen nur noch den Missmut der Bürger entgegennehmen“. Der für den Naturschutz zuständige Baustadtrat Michael Wegner (CDU) verlangte schriftlich Aufklärung von Strieder. Rainer W. During

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