Zeitung Heute : Fortbildungen im Destinationsmanagement werden im Tourismus immer wichtiger

Regina Köthe

Tiefgreifende strukturelle Veränderungen kennzeichnen den Tourismusmarkt seit Anfang der 90er Jahre. "Früher hatte jeder kleine Ort seinen eigenen Prospekt für Urlauber", sagt Harald Hensel vom Deutschen Seminar für Fremdenverkehr (DSF) in Berlin, "dieses Kirchturmdenken muss aufhören". Effiziente und kostensparende Marketingkonzepte, die sich an den Bedürfnissen und Interessen der Urlauber ausrichten, haben oberste Priorität. Vor dem Hintergrund des zunehmend härteren internationalen Wettbewerbs und eines raschen Wandels des Konsumentenverhaltens stehen traditionelle Tourismusregionen vor neuen Herausforderungen, denen sie mit ihren bisherigen Organisations- und Verwaltungsstrukturen nur unzureichend begegnen können. Städtemarketing, Beschwerdemanagement und Destinationsmarketing sind die Trends in der Weiterbildung für Fachkräfte in den klassischen Tourismusbereichen Hotellerie, Gastronomie und Reisevermittlung.

"Kontinuierliche Weiterbildung ist besonders für kleine Unternehmen und Mitarbeiter von Fremdenverkehrsinstitutionen immer wichtiger", meint Harald Hensel. Die Zahl der Seminarteilnehmer und Fachkurse hat in den letzten Jahren eine deutliche Aufwärtsentwicklung vollzogen. Mittlerweile haben zum Beispiel rund 18 000 Fach- und Führungskräfte aus der deutschen Tourismuswirtschaft Seminare bei dem DSF besucht. Ebenso bieten sich im Tourismus-Marketing Arbeitschancen für Absolventen der Tourismusstudiengänge von den Fachhochschulen und Universitäten. "Der Gast interessiert sich nicht für den Landkreis oder das Bundesland, sondern er denkt in Reisezielen wie Mittelgebirge, Harz oder Lüneburger Heide", erläutert Harald Hensel. Die "Destination" oder schlicht das Reiseziel ist bei vielen Reisewilligen das entscheidende Auswahlkriterium.

Um Destinationen in Zukunft aktiv vermarkten zu können, ist spezifisches Know-how erforderlich. Hier bietet zum Beispiel das DSF spezielle Seminare an. Es müssen Pauschalangebote entwickelt werden zwischen Hotels, Reisebüros und Mietunternehmen. Zusätzlich sind kulturelle Angebote einzubinden. Für die Destination Harz ist es zum Beispiel sinnvoll, wenn Fremdenverkehrsämter und Unternehmen aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sich gemeinsam vermarkten und Angebote entwickeln. Das Destinationsmanagement bietet einen konzeptionellen Ansatz, um organisatorische Schwächen zu überwinden. Marketing-Full-Service, neue Leitbilder, Strategien moderner Informations- und Reservierungssysteme müssen entwickelt und umgesetzt werden.

Zu den innovativen Kommunikationsstrategien auf dem Reisemarkt gehört natürlich das Internet. Die neuen Informationstechnologien sind im Destinationsmanagement ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Besonders die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist zunehmend daran gewöhnt, sich über das Internet zu informieren und auch dort zu buchen. Aber auch Geschäftsleute setzen immer häufiger auf die Möglichkeiten des World Wide Web. Vom US-Beratungsunternehmen Horwath Landauer wird prognostiziert, dass bis zum Jahr 2002 etwa 25 Prozent aller weltweit getätigten Hotelbuchungen über das Internet laufen. Und das weltweite Marktvolumen von Online-Reisebuchungen werde im Jahr 2003 voraussichtlich bei 29 Milliarden Dollar liegen, so Erich Kaub, Präsident des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft. Besonders die Reisebüros werden hier ihre Angebote verändern müssen und Mitarbeiter schulen, wenn sie überleben wollen.

Ein interessantes Beispiel für die Entwicklung von Zusatzangeboten bietet Rügen. Die Kreidefelsen sollen nicht nur schlichtes Wahrzeichen bleiben, sondern Teil einer touristischen Produktinnovation auf Rügen werden, die Saisonverlängerung und Vernetzung touristischer Leistung bringen soll. "Da die Insel Rügen mit den Kreidefelsen assoziiert wird, hat die Heilkreide aus Marketing-Gesichtspunkten ein unglaubliches Potenzial, gerade für den Tourismus", so Markus Landvogt vom Studiengang Freizeit- und Tourismusmanagement an der Fachhochschule Stralsund. Bereits in den 20er Jahren wurden Heilkreidebäder aus medizinischen Gründen eingesetzt. Heute besinnt man sich auf die Wirkungen der Heilkreide und will sie besonders im Wellness- und Schönheitsbereich anwenden. Heilkreide ist weiß und geruchlos und somit eine attraktive Alternative zum herkömmlichen Moorbad, meint Markus Landvogt.

Bei den Kurzreisenden stehen Städtereisen nach wie vor hoch im Kurs. Zielgruppenorientierte Attraktivitäten und städtische Besonderheiten müssen kombiniert angeboten werden. Solche "kulturellen Highlights" müssen von den Veranstaltern kreiert und beworben werden. Wie die Bausteine eines erfolgreichen Kultur-Event-Marketings aussehen und eine Zusammenarbeit realisiert wird, gehört zu den neuen Aufgaben von Hotelmanagern, Mitarbeitern städtischer Tourismus- und Fremdenverkehrsinstitutionen sowie mittelständischer Reiseveranstalter. "Kooperation ist hier das Gebot der Stunde", betont Harald Hensel.Deutsches Seminar für Fremdenverkehr (DSF), Tempelhofer Ufer 23 / 24, 10963 Berlin, t 23 55 19 - 0, www.dsf-berlin.de .

Fachkongress und Vortäge zum Thema "Progress in Tourism Research", 12. / 13. März auf der ITB, Halle 14.2.

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