Zeitung Heute : Fortschritte bei der Finanzierung - Noch pokern die Partner aber über die Verteilung der Risiken

jmw

Die Latte liegt hoch. 517 Millionen Mark müssen Senat, Bundesregierung und der private Investor Walter Bau AG zusammenbringen, um den Umbau des Olympiastadions zu finanzieren. Selbst wenn es gelingt, anders als bei vergleichbaren Großprojekten die Kostenobergrenze einzuhalten, ist aber noch unklar, woher das Geld überhaupt kommen wird.

Seit sich der Senat im vergangenen Dezember für das Konzept des Augsburger Baukonzerns entschieden hat, streiten sich die Verhandlungspartner um die Verteilung der finanziellen Risiken. So will die Walter Bau bis zu 175 Millionen Mark über einen Immobilienfonds aufbringen, der aus steuerrechtlichen Gründen als problematisch gilt. Damit Investoren zugreifen, soll das Land Berlin außerdem jährlich zehn Millionen Mark Mieteinnahmen in Form einer Bürgschaft garantieren. Weitere 95 Millionen Mark will die Walter Bau über einen zinsgünstigen Kredit beim Senat besorgen. Zudem verlangt der Konzern, dass die 225 Millionen Mark Finanzierungsanteil von Land und Bund früher gezahlt werden als bei derartigen Projekten üblich.

Nachdem der damalige Bausenator Jürgen Klemann (CDU) noch im Dezember das Walter-Konzept als "günstigstes Angebot" bezeichnet hatte, hat sich die Stimmung im Senat nach Bekanntwerden der Forderungen des Konzerns gewandelt. So heißt es in Kreisen der CDU/SPD-Regierungskoalition, Berlin werde sich nicht erpressen lassen. Für den Fall, dass der Konzern weiter die finanziellen Risiken auf das Land Berlin abwälzen wolle, sei eine Vergabe an einen anderen Investor ebenso denkbar wie eine Vorfinanzierung durch den Senat.

In den letzten Tagen allerdings haben sich die Verhandlungen wieder leicht entspannt, nachdem die niederländische ABN Amro Bank als Teilhaber an der Walter Bau AG angekündigt hatte, für die Sanierung des Stadions eine Kostengarantie bis zu 650 Millionen Mark zu übernehmen. Und dennoch: Unstrittig finanziert sind derzeit nur Baukosten in Höhe von 22 Millionen Mark. Das Betreiberkonsortium aus Walter, dem Land Berlin und Hertha BSC soll sie den Plänen zufolge in den nächsten Jahren durch Mieteinnahmen während der Bauzeit erwirtschaften. Voraussetzung ist jedoch, dass der Spielbetrieb während des Umbaus tatsächlich mit 50 000 Plätzen weitergeht.

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