Zeitung Heute : Forum: Wenn die beste Freundin

Silvia Hallensleben

An der Fensterfront, die aus einem Bürohochhaus die Stadt Seoul überblickt, ist eine Weltkarte aus kleinen Quadratrastern angebracht. Japan: Vier Würfel versprengt im Meeresnichts. Korea kann man gar nicht erst ausmachen. Die junge südkoreanische Regisseurin Jeong Jae-Eun liebt solche Raster und baut sie als Durchblicke, Zeichnungen oder Karo-Muster immer wieder in ihre Filmgestaltung ein. Und auch die Erzählweise ihres Films, der vom wilden Mädchenleben in einer Hafenstadt bei Seoul handelt, ist aus solch kleinen Rasterpunkten zusammengesetzt.

Berlinale 2002 Online Spezial: Internationale Filmfestspiele
Tagesspiegel:
Alle Berichte, Reportagen, Rezensionen
Gewinnspiel: meinberlin.de verlost Filmbücher
Fotostrecke: Ausschnitte aus den Wettbewerbsfilmen
Am Anfang feiern sie, vielleicht den Start in das eigene Leben. Ganz schön durchgeknallt, mit Hütchen, Gekreische und Drinks. Zwanzig Jahre: Das ist ein magisches Alter, das schon viele Filmemacher angezogen hat. Drei junge Frauen stehen hier im Mittelpunkt. Tae-hee lebt noch zu Hause, arbeitet in einer Sauna und tippt in der Freizeit fremde Poeme in die Schreibmaschine. Hae-Joo ist Büroangestellte in Seoul, zwischen angepasst und exaltiert. Ji-oung lebt mit den Großeltern in einer Hütte unter der Autobahn, malt und sucht Arbeit. Und dann sind da noch die chinesischstämmigen Zwillinge Bi-ryu und Ohn-jo in einer komischen Nebenrolle als Straßenhändlerinnen.

Wichtige und dramatische Dinge geschehen in diesen Leben, doch die Regisseurin vermeidet klug, sie einem zielgerichteten Plot zu unterwefen. Stattdessen richtet der Film seine Aufmerksamkeit auf das lebendige Geflecht der Mädchenfreundschaften mit allem, was an Überschwang und Leid, Konkurrieren und Wiederzusammenfinden dazugehört. Das Kätzchen ist dabei ein Bindeglied. Und die Telefone, mobil natürlich, immer parat. Eines ist sogar für ein paar Momente Filmmusik gut. Vielleicht ist "Take Care of my Cat" ja der erste Handy-Film der Filmgeschichte, mit SMS und allem. Denn hier bekommen auch geschriebene Worte auf der Leinwand materielle Präsenz, wenn auch die ästhetischen Feinheiten dieser Umsetzung im Übermittlungsprozess von den artistischen koreanischen Schriftzeichen in englische Untertitel verloren gehen. Auch sonst dürfte "Take Care of my Cat" in Europa anders wahrgenommen werden als in seinem Ursprungsland, aus dessem harschen sozialen Klima der Film seine vitale Energie bezieht. Fremd aber ist es uns ganz und gar nicht.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!