FOTOGRAFIE IN DER DDR„Geschlossene Gesellschaft“ : Das verschwundene Land

Wer als Fotograf in der DDR nicht dem Ideal der sozialistischen Gesellschaft entsprach, dem wurden Steine in den Weg gelegt. So durfte der Bildende Künstler und Filmemacher Lutz Dammbeck bei der DEFA eine essayistische Filmcollage nicht realisieren. Kurzerhand schrieb er das Drehbuch zu einem multimedialen Live-Spektakel in Eigenregie um, mit Tanz, Musik, Malaktionen und Fotoprojektionen. Dammbeck ist einer von 34 Künstlern, die die Berlinische Galerie in der Ausstellung „Geschlossene Gesellschaft“ über künstlerische Fotografie in der DDR von 1949 bis 1989 präsentiert – mit umfassendem Rahmenprogramm und einem Symposium.

Welche Themen waren wichtig? Was für Formen gab es? Die Ausstellung zeigt verschiedene Strömungen anhand von etwa 250 Bildern. Darunter sind Arbeiten bekannter Namen wie Roger Melis, Sybille Bergemann, Arno Fischer, Thomas Florschuetz, Helga Paris oder Erasmus Schröter (Abbildung), genauso wie Sven Maquardt, in den Achtzigern Chronist der DDR-Subkultur und später berühmt- berüchtigter Türsteher des Berghains. Alltagsszenen sind darunter, Symbolbilder über den brüchigen Zustand der Gesellschaft, Experimente mit dem Medium. Mehr als 20 Jahren nach dem Mauerfall arbeitet die Berlinische Galerie drei Entwicklungslinien heraus. Im ersten Teil geht es um die sozial engagierte Fotografie, ein zweites Kapitel widmet sich Künstlern, die mit formalen Spielereien an die zwanziger Jahre anknüpften. Im dritten Abschnitt werden Werke seit den Achtzigern gezeigt, bei denen der eigene Körper und Gefühle im Mittelpunkt stehen. Anna Pataczek

Berlinische Galerie, Eröffnung Do 4.10., 19 Uhr, bis Mo 28.1.2013, Mi-Mo 10-18 Uhr, 8 €, erm. 5 €

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