FOTOGRAFIEAbisag Tüllmann : Mensch im Mittelpunkt

Foto: bpk / Abisag T¸llmann

Virtuos jonglierte die Fotografin Abisag Tüllmann (1936-2006) fast vier Jahrzehnte lang zwischen engagierter Sozialreportage und einfühlsamen Theaterbildern. Im Mittelpunkt stand immer der Mensch. Ihre ersten Fotos stammen vom Beginn der sechziger Jahre aus ihrer Wahlheimat Frankfurt, wo sie den städtischen Alltag unterschiedlichster Sozialgruppen ablichtete. Tüllmanns Interesse galt Bankiers, Politikern und Geschäftsleuten ebenso wie Künstlern, Studenten, Gastarbeitern und Obdachlosen. Intensiv setzte sie sich mit der Studentenrevolte, dem Häuserkampf im Westend und dem Konflikt um die Startbahn West auseinander. Ihre Aufnahmen von Daniel Cohn-Bendit, Rudi Dutschke, Joschka Fischer und anderen Akteuren der 68er-Bewegung sind heute Dokumente der Zeitgeschichte.

Auch als Bildjournalistin auf Auslandsreisen nach Osteuropa, Afrika, Israel, Palästina und als Theaterfotografin reüssierte die gebürtige Westfälin. Fast 30 Jahre lang begleitete sie die Inszenierungen des Regisseurs Claus Peymann. Die Retrospektive dokumentiert auf einzigartige Weise die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Umbrüche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gleich im Eingangsbereich hat der Berliner Kurator Ludger Derenthal den Blick auf das Thema der Ausgrenzung und Verletzlichkeit menschlicher Existenz gerichtet, das Tüllmann lebenslang beschäftigte. Berührende Bilder von menschlicher Not und Obdachlosigkeit machte sie 1992 auch am Bahnhof Zoo und auf dem Kurfürstendamm, unweit des Ortes, an dem jetzt das Charlottenburger Museum für Fotografie ihre Arbeiten präsentiert.Ulla Fölsing

Museum für Fotografie, bis So 18.9., Di-So 10-18, Do 10-22 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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