FOTOGRAFIE„Das XX. Jahrhundert – Menschen, Orte, Zeiten“ : Kaleidoskop der Republik

Steinewerfer, Zirkuskinder, der perfekte Postkartenblick auf den Watzmann – die Bilder der Fotosammlung des Deutschen Historischen Museums könnten unterschiedlicher nicht sein. Unter dem Titel „Das XX. Jahrhundert – Menschen, Orte, Zeiten“ stellt das Museum erstmals seine in den vergangenen beiden Jahrzehnten zusammengetragene Kollektion vor. 300 Bilder hat Kurator Dieter Vorsteher herausgesucht, die das gesamte Spektrum abdecken: von der Dokumentation, der Bildreportage bis zur künstlerischen Fotografie. Viele Motive werden dem Publikum bekannt vorkommen, nicht nur weil sie wichtige Momente der deutschen Geschichte dokumentieren und ins kollektive Gedächtnis eingegangen sind wie jenes Bild von Barbara Klemm, das Brandt und Breschnew 1973 bei ihrer ersten Begegnung im Bonner Kanzlerbungalow zeigt. Immer wieder konnte das DHM für Ausstellungen auf seinen reichen Fotobestand zurückgreifen, nicht zuletzt für den seit 1993 herausgegebenen Jahreskalender, der Woche für Woche ein anderes Motiv zeigt.

Mehr als die doppelte Menge an Bildern ist im Katalog zusammengekommen, der einem Kaleidoskop deutscher Geschichte gleicht: angefangen mit einer Aufnahme des aufgebahrten Kaiser Wilhelm I. 1888 im Berliner Dom bis zu Demo-Bildern aus Gorleben und hochpräzisen Party-Schnappschüssen der Serie „Feine Leute“ von Herlinde Koelbl. Das DHM beweist sich hier im besten Sinne als Gedächtnis der Republik und seiner Vorzeit. Und trotzdem ist der Blick nach London, New York, Russland, Palästina geweitet. Gute Kunst lässt Landesgrenzen stets hinter sich zurück. Nicola Kuhn

Deutsches Historisches Museum, Fr 26. 3.

bis So 20. 6., tgl. 10-18 Uhr, 5 €

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