FOTOGRAFIEHenry Ries und die Blockade 1948/49 : Er war ein Berliner

Martina Scheffler

Er machte das Luftbrückenfoto. Kinder auf einem Schuttberg, die Hälse gereckt, über ihnen ein Rosinenbomber. Und er war selbst ein Berliner Junge: Henry Ries, 1917 als Heinz Ries in Charlottenburg geboren und 1938 in die USA geflohen, wurde in seiner neuen Heimat ein berühmter Fotograf. Von 1947 bis 1951 arbeitete er für die New York Times als Fotojournalist in Europa. Eine Auswahl der dort entstandenen Bilder, vor allem aus der Zeit der Luftbrücke, zeigt das Deutsche Historische Museum in der Ausstellung „Brennpunkt Berlin: Die Blockade 1948/49. Der Fotojournalist Henry Ries“.

Neben dem Schuttbergbild hängen Fotos von tanzenden russischen Soldaten am Gendarmenmarkt und einem Mann, der vor der Siegessäule den Acker an Stelle des heutigen Tiergartens pflügt. Auf einem anderen Foto sucht eine Frau nach Brennholz. Jedes Bild erzählt eine andere Blockade-Geschichte: von Hunger, von Hoffnung, von Alltagsfreuden und vom Mantel der Geschichte, der über das Bild vom Reichstagsdach weht, auf dem Neugierige sitzen und auf den Platz der Republik blicken, auf dem Ernst Reuter seine „Schautauf-diese-Stadt“-Rede hält. Die Kunst, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, beherrschte Ries. Auch andere Bilder aus seinen Europa-Reportagen zeigen das, etwa die von jüdischen Flüchtlingen, die mit der „Exodus“ nach Palästina wollten, aber in deutschen Auffanglagern landeten. Trotz Verbots gelangen Ries einige beeindruckende, bedrückende Aufnahmen. Berlin ließ ihn zeitlebens nicht los: Nach seinem Tod wurde er auf eigenen Wunsch in Zehlendorf bestattet. Martina Scheffler

Deutsches Historisches Museum, bis So 21.9.,

tägl. 10-18 Uhr, Eintr. 5 €, bis 18 Jahre frei

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