FOTOGRAFIEKonrad Rufus Müller zeigt „Von Adenauer bis Merkel“ : Der Kanzlerfotograf

Kai Müller

Es ist Wahlkampf. Wenn auch der Kampf um die Wahl diesmal partout nicht einsetzen will, zeigt sich die Mediendemokratie in voller Pracht. Politikergesichter, wohin man schaut. Es scheint beinahe müßig, erfahren zu wollen, was für Persönlichkeiten sich hinter den Plakat- und TV-Köpfen verbergen, die um die Macht im Lande ringen. Doch der Fotograf Konrad Rufus Müller gibt nicht auf. Er stellt solche Fragen, mit seiner Kamera. Seit er als Kunststudent Konrad Adenauer fotografierte und in dem ledernen Reptiliengesicht auch die verletzliche Seite offenlegte, interessiert er sich für die Kanzler hinter den Kanzlern. Als Einziger hat er sie alle porträtiert – Erhard, Kiesinger, Brandt und Schmidt, Kohl, Schröder und als jüngstes Mitglied dieser Galerie: Angela Merkel.

Mit mönchischem Ernst versucht Müller, abseits von Presseterminen in langen, intensiven Begegnungen hinter die Masken der Selbstdarstellung zu blicken. Damit ist er ein Pionier jener Psychologisierung der Macht, wie sie sich in den Arbeiten Herlinde Koelbls und anderer als Trend durchgesetzt hat. Müller selbst fühlt sich als Künstler verkannt. Ein Außenseiter ist er sowieso. Niemandem außer sich selbst vertraut er sein Material an, entwickelt es selbst und macht von Hand auch die Abzüge in seiner Bonner Dunkelkammer, wo von jeher nur Unikate entstehen. Da ist der Berg von einem Mann Helmut Kohl, wie er mit zerzausten Haaren vor einem anderen Berg steht. Die Wolken ziehen: ein Mann im Wind der Zeit. Solche Bilder erzählen auch von der erotischen Anziehung der Macht. Kai Müller

C/O Berlin im Postfuhramt, Fr 4.9. bis So 4.10. tägl. 11-20 Uhr, 7 €, erm. 5 €

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