FOTOGRAFIEMax Scheler : Neben den Mächtigen

Es ist 1968, Richard Nixon ist auf Wahlkampftour in Pennsylvania. Breit und prunkvoll ist die Straße, durch die sich seine Autokolonne schiebt. Platz für viele, viele Menschen, die gekommen sind, um ihn zu sehen: Luftballons, Konfetti, strahlende Gesichter allüberall. Nixon in seinem fahrenden Wagen steht aufrecht, streckt die Arme weit in die Luft, als wolle er sagen: „Seht her, hier bin ich!“ Im Zentrum des Bildes und doch erst auf den zweiten Blick zu bemerken: ein Sicherheitsmann im dunklen Anzug, der dem Trubel um ihn herum keine Beachtung schenkt. Er hat Nixons linkes Bein fest im Griff – damit er nicht aus dem Wagen kippt.

Szenen wie diese, große Momente mit kleinen, schier unbedeutenden und doch aussagekräftigen Nebenhandlungen einzufangen, war die besondere Kunst des 1928 in Köln geborenen Fotografen Max Scheler. Wartende, Kinder, Bodyguards, Assistenten – sie sind die eigentlichen Stars in etlichen seiner Schwarzweißfotografien, die Ereignisse um berühmte Persönlichkeiten dokumentieren. Gleichwohl sind auch seine Porträts wahre Meisterwerke: Ob John F. Kennedy oder Martin Luther King, immer offenbart der Fotojournalist Facetten, die man so nicht erwartet hätte. Gesellschaftliches wie Politisches rückt der Magnum-Fotograf und spätere Mitbegründer des Magazins „Geo“ ins Blickfeld. Die chinesische Kulturrevolution ebenso wie die „Tanzgruppe für Damen im Ruhestand, Arizona 1962“ oder arglos vor einem Atombunker posierende Schönheiten. Keine Frage: Scheler, 2003 verstorben, war einer der Besten. Das Willy-Brandt- Haus zeigt in einem Querschnitt mehr als 140 Werke. Unbedingt ansehen! Maris Hubschmid

Willy-Brandt-Haus, bis So 31.7., Di-So 12-18 Uhr, Eintritt frei

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