FOTOGRAFIEN VON MICHAEL RUETZ„1968. Die unbequeme Zeit“ : Große Geschichte im Kleinen

Nicola Kuhn

Seine Aufnahmen der Zeit von 1968 sind ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegangen: Die Fotografien von Michael Ruetz zeigen Demonstrationen mit Fahnen, Parolen und Megaphonen, Rudi Dutschkes Rede im Audimax der FU, die Kommunarden und ihre Posen. Wenn die Akademie der Künste also an „Das künstlerische Erbe von ’68“ erinnert, kann das kaum ohne ihr langjähriges Mitglied Ruetz gehen. Das umfangreiche Programm mit Gesprächen, Gastspielen und Konzerten beginnt mit der Eröffnung seiner Ausstellung „Die unbequeme Zeit“.

Dabei kam der gebürtige Berliner eher zufällig zur Fotografie. Der Sinologie-Student begegnete während seiner Vorarbeit für die Promotion an der Hochschule der Bildenden Künste dem Fotopionier Heinz Hajek-Halke, der ihm statt Büchern das unmittelbare Studium des Lebens empfahl. Schnell entdeckte auch der „Stern“ die Qualität seiner aus nächster Nähe entstandenen Aufnahmen und holte Ruetz in seine Redaktion. Gerade die über das Interesse des Dokumentaristen hinausgehende Anteilnahme macht die Aufnahmen von Ruetz so packend. Sie sind geprägt von einer hohen Emotionalität. Stets verbinden sich die kleinen Gesten mit der großen Geschichte – sei es das verschmitzt lächelnde Muttchen bei der Demonstration gegen die Notstandsgesetze, der sein Gesicht verbergende Polizist oder der zum Zuschlagen bereite Knüppel in der Hand eines Ordnungshüters. Es sind Momentaufnahmen einer sich drastisch verändernden Welt, die Ruetz später auch auf seinen Reisen durch Griechenland, Rom, Angola und Chile festhielt. Nicola Kuhn

Akademie der Künste, Pariser Platz, Do 17. 4. bis So 27. 7., Di-So 11-20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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