FOTOGRAFIEPertti Kekarainen : Schöne Schemen

Juliane Primus

Das ist die Kraft der sachlich-dokumentierenden Fotografie: Grenzen zwischen Objekt und Betrachter verwischen, Motive scheinbar greifbar machen und auf diese Weise die Illusion der distanzlosen Nähe schaffen. Die Bildkunst des Finnen Pertti Kekarainen entzieht sich dieser Suggestionskraft. Sie schafft Distanz zum Motiv, das Dargestellte erscheint befremdlich. Der Blick auf das Objekt bleibt verstellt, nur schemenhaft, wie durch Milchglas, sind Räume zu erkennen – Arbeits- und Wohnzimmer, leere Räume. Menschen fungieren lediglich als anonymes, gesichtsloses Personal. Sie wenden sich ab vom Blick des Betrachters oder entziehen sich beinahe vollständig dem Kameraobjektiv. Das Medium verliert seine Macht über das abgebildete Objekt.

Der Mensch entscheidet selbst darüber, wie viel er von sich preisgegeben möchte. Doch Kekarainen lässt mithilfe seiner nahezu lebensgroßen Bilder neue Illusionen entstehen. Die Frau auf „Tila (two orange dots)“ schreitet scheinbar aus dem flächigen Bild in den Realraum. Zurück bleiben Schatten und entkörperlichte Silhouetten. Was ist Realität in den Fotoserien „Tila“ und „Density“ des 44-jährigen Künstlers? Was ist Fiktion? So bleibt vieles in Pertti Kekarainens Fotografien rätselhaft. Dies gilt gleichermaßen für die Farbflecken, die er durch den Einsatz von Folien und mithilfe von Doppelbelichtung in sein Werk einstreut. Die Flecken sind rot, grün oder orange, oval oder rund. Sie lenken den Blick, verstellen den Blick, setzen Akzente. Manchmal zerstören sie Ordnungen und manipulieren. Es ist eine offensichtliche Manipulation – die Welt des Scheins kann noch entzaubert werden. Juliane Primus

Villa Oppenheim, Fr 28.8. (Vernissage, 19 Uhr) bis Do 1.11., Di-Fr 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr

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