FOTOGRAFIERetrospektive Hiroshi Sugimoto : Die Welt in Schwarzweiß

Christina Tilmann

Er ist der Meister der Nuancen, der Zwischentöne, der Unschärfen. Wer hätte gedacht, dass es zwischen Schwarz und Weiß so viele Schattierungen geben könnte? Gleichgültig, ob er Architekturinkunabeln fotografiert oder trostlose Autokinos, ausgestopfte Tiere oder Wachsfiguren, oder einfach nur das Meer, immer wieder das Meer: Hiroshi Sugimotos Bilder sind Ikonen – und Ausdruck einer immerwährenden Suche. Man muss ihn einmal erleben, den Japaner, der so höflich wie leise und immer perfekt glattgebügelt im – natürlich – schwarz-weißen Outfit auftritt, um zu begreifen, dass hier ein Maniac am Werk ist, ein Philosoph der Kamera.

In Düsseldorf, wo die Retrospektive ihre erste deutsche Station hatte, war Sugimotos vielleicht eindrucksvollste Serie, die Meeresbilder, verführerisch im Halbkreis aufgestellt, ein Fries fast abstrakter, monochromer Bilder in der großen Halle der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie in Berlin passt mit ihrem strengen Stahl-Glas-Raster mindestens ebenso kongenial zu dieser minimalistischen Fotografie, auch wenn Sugimoto dieses Meisterwerk der Architekturmoderne noch nicht fotografiert hat, im Gegensatz zu Bauten wie den Fargus-Werken in Alfeld, der Corbusier-Villa bei Paris oder dem New Yorker Seagram-Building von Mies van der Rohe – vielleicht inspiriert den Fotografen ja der Besuch in Berlin. Dafür jedoch waren in der Deutschen Guggenheim schon seine opulenten Herrscherporträts der Renaissance zu Gast, damals 2000, in den frisch eröffneten Räumen. Mit ihnen gibt es nun ein Wiedersehen. Christina Tilmann

Neue Nationalgalerie, bis So 5.10, Di-Fr 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, 10 €, erm. 5 €

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