FOTOGRAFIE„SEE - New Perspektives“ : Projekt Hoffnung

Foto: © Jasmin Brutus, 2012, Bosnia-H

Zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zogen junge Fotojournalisten aus Südosteuropa im Auftrag von World Press Photo aus, um einen Blick auf ihre Heimatregionen zu werfen. Ihre Reportagen zeigen, wie die Menschen in den Städten und Dörfern im ehemaligen Jugoslawien nach und nach ans kapitalistische Wirtschaftssystem andocken – während an manchen Orten Stillstand herrscht, keimt an anderen Hoffnung. Ein harter Aufprall ist es fast immer.

Sanja Kneževik begleitete serbische Junggesellen bei ihrer Suche nach einer Frau. Ferdi Limari erzählt die Geschichte des seit dem Kosovokrieg isolierten Dorfes Tanushe im Nordwesten Mazedoniens, wo es scheint, als ob die Straße endlich ausgebessert und der Kontakt ins benachbarte Kosovo wieder möglich werden würde. Petrut Calinescu dokumentiert die zwei Welten der sogenannten „strawberry pickers“. In Frankreich, Italien oder Spanien arbeiten sie als einfache Hilfskräfte, nach Rumänien kehren sie als wohlhabende Bürger zurück, bauen pompöse Häuser für ihre Familien. Soziales Ansehen ist nur so zu bekommen. Der 1981 geborene Fotojournalist Jasmin Brutus berichtet aus einer illegalen Kohlenmine in Bosnien-Herzegowina (Abb.). In der Region um die Stadt Zenica sind solche Minen, die neben den staatlichen Gruben geduldet werden, oft die einzige Möglichkeit für die lokale Bevölkerung, ein Einkommen zu erzielen. Die Männer, die dort arbeiten, reissen die Kohle mit den bloßen Händen aus der Erde. Brutus zeigt das so nüchtern wie möglich. Viele der beteiligten Fotojournalisten wurden sowohl in ihrer Heimat als auch international mit Preisen ausgezeichnet. Auch das gibt Hoffnung: Man will hören, was sie erzählen. Birgit Rieger

DNA, bis Do 21.3., Di-Sa 11-18 Uhr

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