FOTOGRAFIE„The Ruins of Detroit“ im Kühlhaus : Phoenix aus der Asche

Das Lee Plaza Hotel wurde 1929 in Detroit erbaut – der 15 Stockwerke hohe Art-Deco-Wolkenkratzer war aber nicht für Touristen gedacht, sondern für die neureichen Bewohner der Stadt. Es galt als schick, im Hotel zu wohnen, Henry Ford, dem Erfinder der industriellen Produktion, sei Dank. Aber die goldenen Zeiten sind längst vorbei. In keiner Stadt treten der wirtschaftliche Niedergang und die Folgen der Suburbanisierung krasser zu Tage als in der „Motor City“. In der menschenleeren Innenstadt Detroits – die Weißen sind an den Stadtrand gezogen, die Einkaufszentren auch – sieht es mancherorts wie nach einer Reaktorkatastrophe aus, auch im einst so prächtigen Lee Plaza Hotel (Foto).

Die aus Frankreich stammenden Fotografen Yves Marchand und Romain Meffre haben in den Ruinen Detroits fotografiert. Ihre großformatigen Bilder von morbider Schönheit werden an einem Berliner Ort ausgestellt, der – Detroit lässt grüßen – seit 1989 brach lag. Das „Kühlhaus“, ein denkmalgeschützter Klinkerbau am Berliner Gleisdreieck, wird derzeit zu einem neuen Kunstort umgebaut. Ab 2012 sollen dort Kunst, Tanz und Kulturprojekte auf sieben Etagen präsentiert werden, planen die künstlerischen Leiter Cornelia Albrecht und Jochen Hahn. Das Kühlhaus soll sich, ähnlich wie das Radialsystem, privat finanzieren, Kulturevents der Berliner Partnerstädte von Moskau bis Buenos Aires sollen sich einmieten. Cornelia Albrecht war zuvor Geschäftsführerin bei Pina Bausch in Wuppertal, Jochen Hahn organisierte die russischen Kulturtage in Deutschland 2003 bis 2004. Ob sich da aus der Ruine ein neuer kultureller Leuchtturm erhebt? Birgit Rieger

Kühlhaus Berlin, Eröffnung Do 15.12., 18 Uhr

(Performance 20 Uhr), bis 10.1., Do-Sa ab 18 Uhr, Eintritt frei

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