FOTOGRAFIEWalter Gropius: „Amerika 1928“ : Auf nach Utopia

Eva-Maria TrägerD D

Eine Reise nach Amerika – für Walter Gropius und seine Frau Ise erfüllte sich 1928 ein lange gehegter Traum. Sieben Wochen erkundeten sie die „Neue Welt“ und dokumentierten ihre Erfahrungen, Menschen, Land und Häuser mit der Kamera. Das Bauhaus-Archiv zeigt nun erstmals eine Auswahl aus den fast 400 Aufnahmen und ermöglicht damit mehr als nur neue Einblicke in das Leben des Bauhaus-Gründers, der sich auf Fotos meist offiziell gab, in Anzug und mit „Gropius-Krawatte“, einer gepunkteten Fliege.

Zwar diente die durch Sponsoren finanzierte Reise offiziell Studienzwecken, sie beschränkte sich letztlich aber nicht auf die urbanen Zentren von New York, Chicago und Detroit mit ihren modernen Hochhauskonstruktionen. Das Ehepaar durchquerte auch den Grand Canyon, badete in Wasserfällen und rastete bei Indianerstämmen.

Die entstandenen Fotografien zeugen von Abenteuerlust, Neugier und von der Freude, dieses unbekannte Land – für die meisten Deutschen ein unerreichbares Utopia – bereisen zu dürfen. Sie dokumentieren eine Nation am Ende der „Goldenen Zwanziger“, im Jahr vor der Weltwirtschaftskrise.

Als lebendige Ergänzung fungieren Audio-Ausschnitte aus den Printreportagen, die Ilse Gropius während der Reise anfertigte, sowie das Großstadtporträt „Manhatta“ von Paul Strand und Charles Sheeler aus den Jahren 1920/21, einer der ersten Kunstfilme überhaupt. Sehr empfehlenswert ist auch der Katalog, in dem sich weitere Fotos verstecken, und der das Gesehene – anders als die Ausstellung – ausführlich erklärt.Eva-Maria Träger



Bauhaus-Archiv, bis Mo 2. 2.09, Mi-Mo 10-17 Uhr u. Di 23. 12., Sa-Mo 7 €, erm. 4 €, Mi-Fr 6 €, erm. 3 €

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