Zeitung Heute : Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

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Für die Apotheker ist Sparen zur Pflicht geworden: Hat ein Arzt auf einem Rezept ein teures Medikament ausgeschrieben, soll der Apotheker künftig seinem Kunden die günstigere Version verkaufen. Das gebietet es das Arzneimittel-Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, das am Sonnabend überraschend in Kraft in Kraft getreten ist. Die meisten Apotheker reagierten auf die Neuerung am Montag eher gelassen. „Das kam im Nachtdienst beispielsweise immer wieder vor, wenn eine Sorte Antibiotika alle war“, sagt Inge Hinrichs in der Apotheke am Nollendorfplatz.

Verwirrung dürfte die Änderung vor allem bei den älteren Patienen auslösen, die h vom Apotheker jetzt wohl möglich nach Jahren eine ganz ungewohnte Verpackung verkauft bekommen. Doch das pharmazeutische Original kann teuer sein: So gibt es beispielsweise ein Mittel gegen Pilzbefall für 11,92 Mark. Der selbe Wirkstoff (auch Generika genannt) ist aber auch für 8, 47 Mark oder 8,20 Mark zu haben. Einen Blutdrucksenker gibt es im Original für 4,87 Mark, aber auch für 3,79 Mark oder 3,24 Mark. Mit dem neuen Gesetz sind die Apotheker jetzt verpflichtet, dem Kunden nicht das teuerste Medikament auszuhä ndigen – es sei denn, der Arzt hat dies auf dem Rezept ausdrücklich angeordnet.

Rund 250 Millionen Euro verspricht sich die Ministerin von dem Sparpaket. „Die Grundidee ist richtig, die Umsetzung ist mangelhaft“, sagt Gü nther Jonitz, Präsident der Berliner Ärztekammer. „Ein Schnellschuss“, kritisiert Rainer Bienfait, Vorsitzender des Apotheker-Verbandes, das Sparpaket. Derzeit diskutiere sein Verband noch mit den Kassen über eine Interpretation des Gesetzes. „Da manche Punkte noch ziemlich verschwommen.“

Tatsächlich ist das Sparpaket am Sonnabend erst zu einem Teil in Kraft getreten. Derzeit werden von den Krankenkassen noch Listen erarbeitet, an denen sich Ärzte und Apotheker später orientieren sollen. Sie werden aufgeschlüsselt nach therapeutischen Nutzen und Preis. „Nach derzeitigem Zeitplan werden die Listen Anfang Juni publiziert“, sagt Roland Stahl vom Bundesverband der Kassenä rztlichen Vereinigungen. Bis zur Veröffentlichung der Listen seien die Ärzte „mehr denn je gefragt“.

Veraltet sind inzwischen die Druckvorlagen für die Rezepte in den Arztpraxen. „Aut idem“, steht noch auf den Zetteln. Hier konnten die Ärzte bislang ihr Kreuz machen, wenn sie es dem Apotheker überlassen wollten, das günstigste Angebot aus dem Computer herauszusuchen. Mit dem neuen Gesetz ist die Ausnahme zur Regel geworden: Ärzte, die auf ein bestimmtes Medikament bestehen, müssen auf den Rezepten den Aut-Idem-Kasten durchstreichen. „Das kann beispielsweise bei chronisch Kranken geboten sein“, sagt Stahl.

Auf wenig Begeisterung stößt das Sparpaket bei der Pharmaindustrie. Die Folgen ließen sich in der Übergangsphase e„nur sehr schwer abschätzen“, heißt es bei Schering. „Wir warten jetzt erst einmal ab“. kf/chv

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