Zeitung Heute : Franke muss gehen

Der Tagesspiegel

Von Frank Bachner und Robert Hartmann

Berlin / Nairobi. Das Berliner Istaf, das größte deutsche Leichtathletik-Meeting, muss sich wohl einen neuen Meeting-Direktor suchen. Mit Stéphane Franke wollen die potenziellen neuen Investoren der Istaf GmbH offenbar nicht mehr zusammenarbeiten. Auch Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin, erklärte: „Neue Organisatoren sollten das Istaf weiterführen.“ Wowereit führte in Nairobi, wo der Ausrichter der WM 2005 gewählt wurde, die deutsche Delegation an. Franke hat einen Beratervertrag mit der Istaf GmbH. Förmlich ablösen kann ihn derzeit nur der Insolvenzverwalter der GmbH.

Das gefälschte Fax, in dem Politik und Wirtschaft in Berlin massiv angegriffen wurden, weil sie nichts zur Rettung des Istaf unternommen hätten, könnte den letzten Ausschlag für Frankes baldige Ablösung gegeben haben. Noch ist unklar, wer das Fax auf dem Istaf-Briefpapier geschrieben hat, aber viele Beobachter, darunter Istaf-Insider, verdächtigen Franke. Denn der Autor muss über Insiderkenntnisse verfügt haben. Zudem decken sich Vorwürfe im Fax mit öffentlichen Aussagen von Franke. Der frühere Langstreckenläufer hatte am Montag eine E-Mail an Wowereit geschickt, in dem er die Situation der Istaf GmbH darstellte. Franke beklagte sich anschließend öffentlich, er habe keine Antwort erhalten. Das dürfte ihn Sympathien gekostet haben. Wowereit lässt sich nicht gerne derart öffentlich anklagen, schließlich ist das Istaf eine Veranstaltung von SCC, OSC und BSC. Zudem erklärte Wowereit, Sportsenator Böger habe sich sehr wohl um die Angelegenheit gekümmert.

Auch Werner Gegenbauer, der Präsident der Industrie- und Hanelskammer Berlin, der für die Rettung des Istaf viel Geld bereitstellen will, war verärgert: „Man kann nicht sagen, jetzt haben wir kein Geld, jetzt helft uns mal.“ Für Erstaunen sorgte der Umstand, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband aufgrund des gefälschten Faxes Anzeige gegen unbekannt erstattete. Denn Hauptbetroffener ist eigentlich Istaf-GmbH-Geschäftsführer Jürgen Demmel. Das Fax war mit seinem Namen unterzeichnet.

Wowereit trank zwar kurz nach seiner Ankunft in Nairobi Tee mit Lamine Diack, dem senegalesischen Präsidenten des Weltverbands. Doch das nützte letztlich nichts mehr. Wowereit erklärte Diack, die Istaf-Probleme hätten keine Auswirkungen auf die WM-Bewerbung. Zuvor hatte schon Klaus Henk, der Aufsichtsrats-Vorsitzende der Istaf GmbH, an Diack gemailt. Henk teilte dem Chef des Leichtathletik-Weltverbandes mit, dass eine Auffanggesellschaft zur Rettung des Istaf bereitstünde. Ungewöhnlich war allerdings die Form: Nach der Anrede „Dear Mr. Diack“ schrieb er den Rest auf Deutsch. Diacks Stellvertreter Helmut Digel, Aufsichtsrat der Istaf GmbH, sagte: „Ich habe gehofft, dass es zu diesem grausigen Ende kommt. Nur so kann man einen Neuanfang machen.“

Franke wurde im Februar 2001 Meeting-Direktor. Er geriet schon am Abend des Istaf 2001 in die Kritik, als er verkündete, dass das Meeting keinen Verlust machen werde. Schon damals war aber klar, dass GmbH-Geschäftsführer Demmel in seinem Wirtschaftsplan mit einem Loch von rund 100 000 Euro rechnete. Später stellte sich heraus, dass die Verluste des Meetings erheblich höher sind.

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