Zeitung Heute : Frankfurter Buchmesse: Das Bücherregal als Silberscheibe

Klaus Angermann

Wenn am heutigen Mittwoch die Frankfurter Buchmesse zum 52. Mal die Pforten öffnet, wird sich nicht alles nur um das gute, alte Buch drehen. Neue Medien sind längst ein etablierter Bestandteil zwischen Tausenden literarischen Neuerscheinungen: Von rund 7000 erwarteten Ausstellern werden etwa 2400 ein so genanntes elektronisches Medium im Gepäck haben. Immer beliebter sind dabei platzsparende Multimedia-Lexika auf Silberscheiben, auch in diesem Jahr werden in der Multimediahalle Novitäten vorgestellt.

Schon seit kurzem auf dem Markt ist Microsofts neue "Encarta Enzyklopädie Plus 2001". Sie umfasst auf drei CDs 13,9 Millionen Wörter, die rund 45 000 Artikel sollen einem 45-bändigen Lexikon entsprechen. Die Liste der Features ist lang; der User kann gezielt Informationen suchen oder sich auf redaktionell vorbereitete Entdeckungstouren machen. Die Themenreisen bieten zusammengestellte Infos zu Menschen, Kunst oder Wissenschaft.

Nahezu perfekt ist die Internet-Einbindung der Encarta gelungen. Innerhalb der Software springt der User direkt in das Webcenter unter www.encarta.de und ruft dort Ressourcen für Schule, Studium oder Beruf ab. Encarta lädt derweil die Monatsupdates herunter und bringt alles auf den neuesten Stand. Zappt man sich durch verschiedenste Artikel, bietet das Webcenter immer weiterführende Links an - so zerfließen die Grenzen von Lexikon und WWW.

Das bibliographische Institut F.A. Brockhaus präsentiert auf der Buchmesse den "Brockhaus multimedial 2001 Premium". Auf immerhin fünf CDs ist Platz für 98 000 Artikel mit rund 10,5 Millionen Wörtern. Die Gestaltung ist übersichtlich, auf den ersten Blick hat hier der Brockhaus der Encarta etwas voraus. Mit einer Zeitleiste werden herausragende geschichtliche Ereignisse präsentiert; in einem Quiz mit Fragen zu allen möglichen Wissensgebieten lässt sich das Allgemeinwissen prüfen.

Eine Besonderheit ist die Rechercheausweitung auf hauseigene Datenbanken wie den Brockhaus oder Kindlers Literaturlexikon. Ebenfalls kann der Wissensdienst xipolis (www.xipolis.net) eingebunden werden - aber nicht jede Information ist kostenlos. Mit der Premium-Version erhält der Käufer circa 15 Mark als Startgeld, danach entstehen zusätzliche Kosten.

Das derzeit aktuellste ist das "Große Lexikon 2001" von Data Becker, welches sich gut aktualisieren lässt: Nach der Installation lädt man die Fakten vom September 2000 - sogar Infos zum aktuellen Rummel um Harry Potter sind vorhanden. Positiv fällt die aufgeräumte Oberfläche auf

Fazit: Brockhaus und Encarta liegen bei Qualität und Länge der Texte nahezu gleichauf, Data Becker ist etwas knapper in den Auskünften. Dafür kannte es als einziges Nachschlagewerk den Ausgang der UMTS-Versteigerung in Deutschland. Dafür ist der Brochkaus als Recherchetool für wissenschaftliche Zwecke geeignet, aber teuer. Schüler werden sich taschengeldsparend mit den zumeist ausreichenden Infos der Encarta begnügen, schließlich kosten beide Lexika als Premium- oder Plusversion schon 180 Mark. Wer sowieso viel surft, wird die Encarta bevorzugen. Ein preiswerter Tipp ist das Lexikon von Data Becker mit 70 Mark, die abgespeckten Versionen der Encarta sowie des multimedialen Brockhaus verlangen immer noch 30 bis 50 Mark mehr.

Systemvoraussetzungen und Preise

Encarta: Pentium 133 mit 24-64 MByte RAM, ab Win95; Update von Encarta 2000 sowie Vollversion rund 120 Mark, Plus-Version rund 180 Mark

Brockhaus: Pentium 133 mit 32-128 MByte RAM, ab Win95; rund 100 Mark, Premium: rund 180 Mark

Data Becker: Pentium 200 mit 32 MByte RAM, ab Win95; rund 70 Mark, Update rund 40 Mark

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