Zeitung Heute : Frankreich – Südkorea 1 : 1

Zentralstadion Leipzig, 18. Juni 2006, 43 000 Zuschauer

Holger Wild

In der Straßenbahn sind die Koreaner still. Auf dem Fußweg zum Stadion singen sie nicht. Die vielen Treppen laufen sie klag- und klanglos hinauf und hinab. Im Fanblock angekommen, stimmen die „Red Devils“ Höllenlärm an. Dae Han Min Gook! Pilsung Korea! Und, zur Melodie der Ode an Freude: Ko-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o- rea! So geht das die ganze Zeit, egal was auf dem Feld passiert. Oder besser: nicht passiert. Koreas Trainer Advocaat lässt mit drei Angreifern spielen, die aber nicht fürs Toreschießen da sind, sondern nur, um die französische Viererkette hinten festzunageln. So ist Sagnol weitgehend aus dem Spiel, und der Rest der Equipe sieht nach der Führung keinen Grund zu übermäßigem Engagement. An dem Spiel hätte der Statiker des Zentralstadions seine Freude. Die Koreaner aber singen fröhlich. Vor Inbrunst bemerken sie nicht einmal eine nahende „La-Ola-Welle“: Sie bricht sich am koreanischen Block. Ist der ausnahmsweise ruhig und nehmen die französischen Fans die Gelegenheit wahr, auch mal was beizutragen – werden sie umgehend niedergesungen. Beim Ausgleich bricht ein Vulkan aus. In der Straßenbahn dann sind die Koreaner wieder still.

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