Zeitung Heute : Frankreichs Trainer gehört ausgebuht

Marcel Reif blickt täglich auf die Spiele voraus

-

Verdient hätte Trainer Domenech, dass Frankreich heute ausscheidet. Er hätte verdient, dass man ihn ausbuht, auspfeift, aus dem Amt jagt, ich buhe mit. Das tut man nicht, dass man einen der größten Spieler aller Zeiten eine Minute vor Abpfiff vom Feld holt, und zwar nicht, damit er sich nach grandioser Leistung feiern lassen kann, sondern um ihn zu demütigen. Domenech hat es getan, er hat Zinedine Zidane vom Platz gezerrt, allein als Machtdemonstration. Respektlos ist das. Dafür hat Domenech alle fußballerischen Strafen der Welt verdient.

Er hat Zidane zurückgeholt und Vieira und Thuram, weil er spürte, dass sein Kurs nicht in die richtige Richtung führt. Er hat Zidane überredet, der selbst wusste, und auch das zeichnet seine Größe aus, dass er nicht mehr einer der größten Spieler der Welt ist. Und das ist der Dank? Hinweg mit Domenech.

Es gibt noch eine pikante Note in seinen Nominierungskriterien. Sie hat mit dem altgedienten Torhütern Barthez und seinem designierten Nachfolger Coupet zu tun. Die Franzosen hatten sich sehr gewundert, dass Barthez im Tor steht, seine Leistungen können kaum der Grund gewesen sein. Im französischen Lager wird kolportiert, Domenech habe eine Affäre mit einer Journalistin, dummerweise der gleichen Dame, mit der auch der ausgebootete Coupet ein Techtelmechtel habe. Privatsache, natürlich. Allein, das Geraune darüber ist der eigentlichen Sache nicht dienlich.

Die Franzosen hatten mal ein erfolgreiches Modell, eins, in dem die Mischung aus Jung und Alt stimmte, eins, in dem Integration nicht nur ein Wort war. Damit sind sie Weltmeister geworden unter dem Trainer Aimé Jacquet. Dann haben sie daneben gegriffen. Roger Lemerre, sein Nachfolger, führte sich in Asien schon auf, als sei er der Staat. Domenech verfährt ebenso. Armes Frankreich. Wir trauern um Zidane.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar