Zeitung Heute : Frau Trabant

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Astrologie ist nicht Heide Trabants Welt. „Der Mond mag ja der Begleiter der Erde sein. Mich persönlich beeinflusst der aber nicht – höchstens, wenn er zu hell ins Schlafzimmer scheint.“ Dieses Problem ist lösbar: Sie zieht die Vorhänge zu. Nur die Astronomie geht für Dr. Heide Trabant, 63, als seriöse Sternen-Disziplin durch. Als die Einzug in den Lehrplan der DDR hielt, gehörte das Herz der Studentin Trabant schon der Ingenieursökonomie, die sie an der TU Dresden belegt hatte. „Eine Mischung aus technischen Fächern, vor allem gut für die Chemieindustrie und Betriebswirtschaft – sehr interessant.“ Und zwar dermaßen, dass Heide Trabant promovierte. Gleichzeitig kümmerte sie sich um den Nachwuchs: „Nebenbei habe ich Studenten ausgebildet. Das war eine schöne Erfahrung.“ Danach ging sie nach Ost-Berlin, zurück zu den Eltern und zu Berlin-Chemie, wo sie 20 Jahre lang arbeitete, bis sie vor zwei Jahren in Rente ging.

Mehr Zeit hat Heide Trabant deshalb nicht. Einen Tag pro Woche arbeitet sie noch, beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dann ist da ihre 92-jährige Mutter, der sie im Haushalt hilft. In der übrigen Zeit reist sie. Oder geht ins Museum. „Die Impressionisten habe ich am liebsten. Diese Farbwiedergabe ist so diffizil, ich finde das ganz toll“, sagt sie. Im Sommer wartet auch noch ihre Datsche in Wernsdorf. „Das Grundstück ist zwar klein, aber jeder Gartenbesitzer weiß, irgendwas ist immer zu tun.“

Wer Frau Trabant nun für einen Unruhegeist hält, irrt. Sie kann sehr geduldig sein. „Auf meinen ersten Trabbi habe ich acht Jahre gewartet. Da hat mein Name mir gar nichts genutzt.“ nidi

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