Zeitung Heute : Frauen an die Software

Die HU-Informatik fördert Schülerinnen

Constanze Haase

„Die Arbeitsgemeinschaft hat mir einen entscheidenden Schubs in Richtung Informatik gegeben“, erinnert sich Luisa Jahn, während sie ihren Laptop zurechtrückt und den Beamer in Position bringt. Noch bis zum Sommer dreht sich bei der 22-Jährigen jeden Donnerstag alles um das Java-Programmierprogramm. Für eine Informatikstudentin nichts Besonderes, könnte man meinen. Doch Luisa Jahn ist hier die Dozentin. Als Studentin im 6. Semester unterrichtet sie interessierte Schülerinnen im Linux-Pool des Informatik-Instituts in Adlershof, um mit ihnen auf Entdeckungsreise in die weite Welt der Informatik zu gehen. Ehrenamtlich. Ziel ist es, die Schülerinnen für ein Informatikstudium zu gewinnen und anschließend vielleicht sogar für eine Promotion.

Die kostenlosen Computerkurse, die Gestaltung von Projekttagen sowie Praktika für Schülerinnen werden im Rahmen der Ideen-Werkstatt des Instituts für Informatik angeboten. „Mehr Frauen in die Informatik!“ lautet das Motto dieser Ideen-Werkstatt, die von Márta Gutsche initiiert wurde. Von 1352 Studierenden im Bereich Informatik sind derzeit nur 196 weiblich. „Zu wenig“, findet Gutsche und nimmt die Lehrerschaft in die Pflicht: „Lehrer sollten gezielt Schülerinnen zu einem Informatikstudium ermutigen und so Vorurteile, die Informatik sei eine reine Männerbranche, abbauen.“

Ihr Schützling Luisa Jahn hatte in der zehnten Klasse über eine Freundin von der damaligen Informatik-AG erfahren und im Kurs zum ersten Mal in ihrem Leben einen Rechner auseinander genommen. „Zu Hause durfte ich das damals nicht, so viel Vertrauen hatten meine Eltern nicht“, erinnert sich die 22-Jährige. Die Ideen-Werkstatt bot für die heutige Studentin die Möglichkeit, mehr über das Innenleben und die Funktionsweise eines Computers zu erfahren. Denn der Schulkurs war nicht befriedigend: „Wir haben dort nicht so viel gelernt, ich wollte einfach mehr über die Hintergründe erfahren, wie ein Computer funktioniert.“

Das Konzept der Ideen-Werkstatt geht auf. Besonders die Altersnähe der Studentinnen zu den Schülerinnen macht das Projekt erfolgreich: „Hier stoßen keine unterschiedlichen Welten aufeinander, wir haben noch ähnliche Interessen“, sagt Luisa Jahn. Denn die Programmiersprache ist nicht einziges Thema im Seminar, sondern auch Spiele oder die Macken des eigenen Computers. „Der Kurs spornt mich an. Eigenständig arbeite ich nicht so konsequent, und hier kann ich mich mit anderen über Probleme austauschen“, lobt die 17-jährige Franziska Lippoldt das Programm. Für Stefanie Birth, Stammbesucherin der Kurse, steht schon fest, dass ihr Studium in Richtung Informatik gehen soll. „Je mehr ich jetzt schon lerne, umso besser für die Anwendung im Studium“, sagt die Zwölftklässlerin.

Die Beziehungen zur Kursleiterin sollen auch während des Studiums erhalten bleiben, mit dem Ziel, ein Frauennetzwerk in Adlershof aufzubauen. „Wir müssen die Bedeutung von Chancengleichheit als den entscheidenden Innovationsfaktor des Standorts Adlershof verankern“, fordert Márta Gutsche.

Der Pädagogin liegt besonders die Kooperation zwischen universitären und außeruniversitären Einrichtungen in Adlershof am Herzen. Denn in den 793 umliegenden Unternehmen werden weibliche Informatikspezialistinnen händeringend gesucht. Luisa Jahn glaubt auch zu wissen warum: „Vielen Informatikern fehlt vor lauter Programmieren die Sozialkompetenz. Wir Frauen sind da einfach kommunikativer und teamfähiger.“ Constanze Haase

Mehr Informationen im Internet:

www2.informatik.hu-berlin.de/~gutsche/ideen-werkstatt

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