Zeitung Heute : Frauen auf dem Weg nach oben

Mentoring: Das UdK-Programm

Als bundesweit erste und einzige Kunsthochschule unterstützt die UdK Berlin Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen gezielt auf deren Weg zur Professur. Seda Nigbolu sprach mit Sigrid Haase, Leiterin des Mentoring-Programms der UdK, über die Ziele des Programms und die Position von Frauen an den Universitäten.

Frau Haase, an wen richtet sich das Programm?

Wir wollen Frauen unterstützen, die auf dem Weg zur Professur sind: Wissenschaftlerinnen, die sich habilitieren oder schon habilitiert haben, Juniorprofessorinnen sowie Künstlerinnen, die sich an herausragender Stelle im künstlerischen Umfeld positioniert haben. Lehrerfahrung an Kunsthochschulen ist eine Voraussetzung für die Aufnahme in das Programm. Zwischen zehn und zwölf Mentees nehmen wir nach einem aufwändigen Auswahlverfahren pro Jahr auf. Sie wählen einen Mentor oder eine Mentorin, von denen sie in einer Eins-zu-Eins-Beziehung ein Jahr lang betreut werden. Darüber hinaus gibt es ein Begleitprogramm mit Seminaren und Workshops. Die Mentees können unter anderem lernen, wie man sich am besten präsentiert, wie Hochschulstrukturen funktionieren, wie Netzwerke aufgebaut und gepflegt werden.

Wer sind die Mentoren?

Das sind Professorinnen und Professoren der UdK Berlin, aber auch der anderen Berliner Kunsthochschulen. Das heißt, die Mentees werden von Personen betreut, die Berufungsverfahren kennen und eine Position in der Institution innehaben. Als Insider können sie Tipps, Tricks und Strategien vermitteln.

Warum brauchen junge Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen ein Mentoring-Programm?

Es gibt genügend hochqualifizierte Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, die überdies international anerkannt sind. In den Netzwerken agieren aber eher Männer. Und die Wissenschaftler und Künstler versuchen meist, einen Kollegen an die Hochschule zu berufen. Was Frauen noch fehlt, ist die Selbstverständlichkeit, in Netzwerken miteinander zu kooperieren. Allerdings sind Frauen aufgrund ihrer geringeren Anzahl in Hochschulgremien weniger vertreten; da dominieren die Männer bzw. deren künstlerische Positionen. Immerhin: Im „Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten“ gehört die UdK in der Gesamtbewertung der Künstlerischen Hochschulen bundesweit zur Spitzengruppe: Wir haben über 33 Prozent Professorinnen und viele Frauen im Mittelbau.

Hat die Beziehung zwischen Mentee und Mentorin oder Mentor hierarchische Strukturen?

Es darf kein Arbeits- oder Dienstverhältnis bestehen. Die Mentee soll die Richtung und das Tempo der Mentoring-Beziehung vorgeben. Die Mentorin und der Mentor verstärken und beschleunigen. Das ist ein Gewinn für beide Seiten.

Wie viele Mentees sind bisher Professorinnen geworden?

Über die Hälfte. Wenn man Gastprofessorinnen dazu zählt, sind es fast drei Viertel. Aus der jeweiligen Mentee-Gruppe entsteht im Laufe der Zeit ein Netzwerk. Sie unterstützen sich sehr intensiv.

Kommt es auch vor, dass eine Mentee sich nach dem Mentoring-Programm entscheidet, nicht Professorin zu werden?

Ja, und das ist ebenfalls ein Gewinn! Mir geht es nicht nur darum, dass viele Mentees Professorinnen werden. Im Rahmen von Karriereentwicklung ist es wichtig, Entscheidungen zu treffen, beispielsweise sogar zu sagen: „Ich will mich weiter im freien Kunstgeschehen behaupten“ oder „Ich möchte ein eigenes Institut gründen“.

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