Zeitung Heute : Frauen gründen Firmen klein – aber gründlich

Der Tagesspiegel

„Hinter jedem Mann steht eine erfolgreiche Frau. Leider gilt das nicht umgekehrt.“ Anita Plantikow weiß als Vizepräsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) wovon sie spricht. Der VdU wurde 1954 von 31 Unternehmerinnen gegründet und ist der einzige deutsche Wirtschaftsverband, der „spezifisch die Interessen unternehmerisch tätiger Frauen vertritt“. Bundesweit gibt es 3,6 Millionen Selbstständige, darunter gerademal 986 000 Frauen. „Zu wenig Frauen machen sich in Deutschland selbstständig. Die Gründe dafür liegen vor allem im familiären Bereich“, ist sich Plantikow sicher. Noch immer fühlten sich viele Frauen ihrer traditionellen Rolle als Hausfrau und Mutter verpflichtet. Der VdU will den Frauen Mut machen, in die Selbstständigkeit zu gehen. Gerade der Multimedia-Bereich biete Frauen durch die flexiblen Arbeitszeiten und das ortsunabhängige Arbeiten die Chance zur Selbstständigkeit.

Eine, die diese Chance genutzt hat, ist Petra Lindemann. Zehn Jahre lang leitete die Berlinerin zusammen mit ihrem Mann ein Hotel in Tiergarten. Als die Ehe in die Brüche ging, musste sie eine neue Arbeit finden. Nach zwei Monaten vergeblichen Suchens hatte sie genug. Aus ihrer Erfahrung als Hotelier entwickelte sie im Jahr 2000 die Idee eines kurzfristigen Reservierungsservices für Hotelzimmer im Internet. Das Konzept ihres „Hotelstandby“ gefiel den Juroren eines vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten Gründerwettbewerbs Multimedia so gut, dass sie Petra Lindemann prämierten. Sie will zumindest in der ersten Zeit keinen Mitarbeiter einstellen.

Die 46-Jährige ist nach einer Studie der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) eine typische Unternehmensgründerin. Ob Frauen grundsätzlich bessere Unternehmer sind als Männer würde die für die Studie verantwortliche Margarita Tchouvakhina so pauschal nicht unterschreiben. „Frauen sind anders, sie gründen andere Unternehmen, vor allem im Dienstleistungsbereich“, weiß sie. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass von Frauen gegründete Unternehmen im Durchschnitt kleiner sind, weniger Mitarbeiter beschäftigen. Monika Harnischfeger vom Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) bestätigt, dass die Unternehmensgründungen von Männern schneller wachsen. Das ISI begleitet den Gründerwettbewerb Multimedia wissenschaftlich. Nach Harnischfeger sind hinsichtlich der Beteiligung von Frauen Unterschiede im zunächst benötigten Kapitalbedarf für die Gründung auffällig. So benötigen Unternehmen mit Frauen im Gründungsteam mit 160 000 Euro gerade mal ein Drittel des Kapitals von Firmen ohne Frauen im Gründungsteam. Nach der DtA-Studie „Wirtschaftsfaktor Unternehmerin“ seien Frauen risikoscheuer und skeptischer. Daher würden sie vor allem am Anfang kleinere Schritte machen, sich in der Vorbereitungsphase mehr Zeit lassen als ihre männlichen Pendants. „Auch springen deutlich mehr Frauen am Anfang wieder von der Idee einer Unternehmensgründung ab.“ Für die Präsidentin des VdU, Inge Sandstedt, ist dies der Beweis dafür, dass Frauen verantwortungsbewusster seien. „Wenn eine Frau zur Bank geht, ist sie viel bescheidener als ein Mann.“ Frauen seien bessere Teamspieler, und von Frauen gegründete Unternehmen erlitten auch seltener Konkurs.

Und Frauen haben noch einen entscheidenden Vorteil: Glaubt man der Studie der DtA, so gehen Gründerinnen besser mit in der Anfangsphase aufkommenden Problemen wie scharfem Wettbewerb, hohen Zinsen und niedrigen Preisniveaus um als ihre männlichen Kollegen. Juliane Schäuble

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