Frauen und Männer : Enthüllung der Verhüllung

Marine-Outfit, die Farbe Rot, die 50er Jahre: Die Mode-Trends der kommenden Saison

Jemima Gnacke

LEOPRINT

Frauen, die Leoprint tragen, sind entweder planlos oder wissen genau, was sie tun. Ein Dazwischen gibt es meist nicht. Der Leoparden-Trend ist sehr heikel, denn falsch interpretiert kann er gänzlich danebengehen. Man denke nur an „Eine schrecklich nette Familie“, wo Peggy Bundy in ein enges Leoprint-Top gezwängt wurde, um ihre Zugehörigkeit zum Trash-Proletariat zu unterstreichen. Aber es geht auch anders: Der Trick ist die Kombination. Am besten mit Schwarz, als Hose oder Bleistiftrock. Den Druck in gedeckten Tönen wählen oder einfach nur als Accessoire (Taschen, Schals, Schuhe oder Strumpfhosen). Auffällig ist das Leopardenmuster allemal. Unscheinbare, unsichere Frauen vom Typ graue Maus lassen aber besser die Finger davon, weil sie dem dynamischen und dominanten Image dieser Großkatze nicht gerecht würden.

DIE FARBE ROT

Blut, Liebe, Rosen – die Farbe Rot weckt starke Gefühle. In diesem Herbst darf sie spendabel eingesetzt werden, schließlich ist sie die Farbe der Saison. Selbst rote Ganzkörperoutfits von der Brille bis zum Schuh sind erwünscht. Gut geeignet sind Kleidungsstücke, die viel Haut bedecken: Kleider, Anzüge und Mäntel – in Wein-, Zinnober- und Feuerrot. Dazu möglichst nur Schwarzes im Kontrast, das wirkt edel. Und: Die roten Lippen nicht vergessen!

CAMEL-TÖNE

Zu Camel fallen einem vielleicht die Zigarettenmarke, das Tier oder die Wüste ein, hier geht es jedoch um die gleichnamige Farbe, die sich zwischen Beige und Karamell befindet, weich, warm und sympathisch wirkt. Leider steht sie nicht jedem, schnell wirkt man blass und speckig. Um das zu vermeiden, helfen Blautöne, Jeans in allen Variationen oder dunklere Brauntöne. Camelfarben sind diese Saison vor allem Mäntel aus Wolle oder Kaschmir, aber auch Stiefel, Handschuhe und Lederkleider. Die Farbe verbreitet eine Ahnung von Hitze in kalten Wintertagen.

METALLIC

Der nächste Trend im Herbst und Winter heißt: metallic. Grünlich schimmernde Hosen zur goldenen Bluse, alles in bronzenem Kunststoff oder – um den Leo-Trend noch zu übertrumpfen – ein Blazer mit Zebramuster in Gold und Silber. Ein treffliches Partyoutfit, es wäre aber auch nicht verwunderlich, wenn der Türsteher es sich bei einem Kleidungsstück wie diesem anders überlegt: „Damit das klar ist: Im Club scheint nichts heller als die Discokugel!“ In Sachen Metallic gilt: Weniger ist mehr. Ein Glitzerarmband reicht völlig aus.

MARINE-OUTFIT

Normalerweise ist Marine eine immer wiederkehrende frische Trendbrise fürs Frühjahr. Wie schön, dass Blau, Weiß und Goldknöpfe jetzt eine Ganzjahreserscheinung sind – bald werden unzählige Seemänner und -frauen auf den Straßen zu sehen sein. Das Gute daran: Kleidung in diesem Stil ist klassisch, unaufdringlich und steht fast jedem. Insbesondere Herren – mit oder ohne Vollbart – sehen in marineblauen Jacken mit doppelreihiger Knopfleiste unwiderstehlich aus. Sie strahlen Unabhängigkeit und eine gewisse Weltenbummler-Mentalität aus. Für Frauen gilt in etwa das Gleiche, es ist aber hilfreich, mit femininen Konturen zu arbeiten, also: tailliert, eng anliegend, mit hohen Schuhen. Wer es exzentrisch mag, trägt eine zugeknöpfte Bluse und Flanellhosen in Grau, Blau, Schwarz. Gummistiefel sind too much, eine Zigarre im Mundwinkel oder ein Papagei auf der Schulter kann dagegen originell wirken.

JEANS UND NAPPA

Jeans und Nappa, Jeans und Nappa, Jeans und Nappa – das ist das Mantra dieser Herbst-/Winter-Saison. Dahinter verbirgt sich nichts weiter als die Verbindung aus einem Jeans- und einem Lederfabrikat. Im Fall des Diesel-Designers ist das dann ein hellblaues Denimhemd zur engen, schwarzen Lederhose, abgerundet durch silbrig benietete Pantöffelchen, ebenfalls aus Leder. Kurz: etwas, das kaum jemandem steht, schon allein deshalb, weil die wenigsten aussehen wie Cowboy und Punk-Rockstar in einem. Für die entsprechende Rockstar-Attitüde sind übrigens eine Fliegerbrille, ein Paar Nietenohrringe oder scharfe, schwarze Pumps hilfreich.

ECHTE UND FALSCHE PELZE

Es war zu erwarten, dass pünktlich zur Winterszeit wieder Diskussionen über Fell und Pelze beginnen. Die Modeschöpfer könnten sich den Stress mit Tierschutzorganisationen wie Peta ersparen, aber scheinbar wollen sie das nicht. Gibt es doch eine Heerschar von frierenden wohlhabenden Frauen und Männern, die Fell- und Pelzprodukte als Wärmespender dankend in Erwägung ziehen. Also hat nicht unbedingt die Ästhetik gewonnen, sondern das Geld. Zum Glück distanzieren sich einige Designer, wie Karl Lagerfeld für Chanel, von der Verwendung vom Echthaar der Tiere, andere wie Oscar de la Renta mit seinen Russenmützen und Zac Posen mit seinen Puschelschuhen haben kein Problem, Pelz zu verwenden. Normalsterblichen ist mit falschem Fell bestens gedient. Es sieht lässig und schön aus, als Jacke in Kiesgrau oder Muskatbraun. Von Moonboots aus Fell ist eher abzuraten, wenn es nicht nach einem hauseigenen Meerschweinmassaker aussehen soll.

FLARED PANTS

Die orientalischen Wochen und somit auch die Zeit der Haremshosen sind vorerst vorbei. Dafür besetzen nun Flared Pants, zu Deutsch: ausgestellte Hosen, die frei gewordene Nische. Sie erinnern vom Schnitt an die gute alte Schlaghose, mit hohem Bund oder Hüftbund. Am Saum umgeschlagen, mit Bügelfalten oder skulpturalen Taschenaufsätzen. Dazu eine weiße Bluse, Rollkragenpullover und Reversmantel, um die ausgestellte Silhouette beizubehalten. Zu weit geschnittenen Hosen immer ein enges Oberteil. Die weiße Bluse erinnert an den eleganten Stil, den Jil Sander in den 90er Jahren prägte. Grobe Wollmixstoffe wie bei Chloe haben hippieeske Züge, Brokat zu Gold wie bei Balmain ist Discoglam. Alles in allem muss man für diesen Trend wirklich dankbar sein, weil er endlich Röhren und Leggins verdrängt hat.

MILITARY-LOOK

Der Military-Look des Sommers hat sich in der Zwischenzeit in einen Fliegerlook verwandelt. Er besticht durch Uniformhosen zur Bluse, zu geschnürten Utilityboots oder hohen Mehrzweckstiefeln. Diese haben Schnallen und sehen super aus. Alle Kleidungsstücke haben Offiziersattribute, zum Beispiel Schulterklappen am Army-Hemd, und werden gleichermaßen zu rustikalen (Penkov) oder extrem femininen Stücken getragen. Burberry kombiniert einen durchsichtigen Spitzenrock zur Fliegerjacke. Denn natürlich ist der Fliegerlook nichts ohne die richtige Fliegerjacke, mit vielen Schnallen und viel Fell(-Imitat) am Kragen.

50er-JAHRE-LOOK

Weg mit den dürren Bohnenstangen, her mit den echten Frauen! Die neue Weiblichkeit feiert Rundungen – mit dem Stil der 50er Jahre: taillierte Kleider in X-Silhouette plus Cardigan, hier und dort eine Schleife oder Blume und mit Söckchen oder Strumpfhosen in die Slingpumps. Marc Jacobs mag alles in Steingrau: kleine Handtaschen mit Ketten-Henkeln und Blazer, die in der Taille aufspringen, sich seitlich über den voluminösen Petticoat legen. Mit diesen Outfits kann man auch wieder Tanztees veranstalten oder sich seitlich auf den Fahrradgepäckträger setzen. Es ist der Look für gerissene Amazonen, die mit lieblichem Aussehen betören, aber durch scharfsinnigen Verstand Klarheit schaffen. Also Sophia Loren 2.0.

SPITZE SCHUHE

Die Zickentreter von einst feiern ihr Comeback! Spitze Pumps sind zurück und paaren sich mit dem femininen Look von Prada oder Louis Vuitton. Es handelt sich um gefährliche Schuhe, die zum Beispiel zum Schlagen, Pieksen und Stechen der konkurrierenden Kollegin geeignet sind. Im besten Fall machen die spitzen Schühchen ein schlankes Bein und sehen gut aus, zu Hosen ebenso wie zu Röcken. Eines ist jedoch klar – nett geht anders, da kann die Dame noch so freundlich lächeln.


STIEFELETTEN

Stiefeletten sind die optimale Fußbekleidung für den Herbst. Ob mit Keilabsatz, Leo, in Patchworkoptik oder über dem Knöchel geschnürt – alles geht! Und Schuhe sind schließlich so wichtig wie alle andere Kleidungsstücke zusammen.


HERRENHÜTE

Peruanische Frauen machen es seit Jahrzehnten vor. Der Herrenhut ist ein Must-Have: maskulin und mysteriös, Schattenspender und Regenschutz. Kenzo hat das Universaltalent entdeckt und in seine Kollektion aufgenommen. Schließlich passen Hüte auch perfekt zu den romantischen Kleidern, die gerade ihre Auferstehung feiern. Im 70er-Jahre-Stil, breitkrempig, ein dem Borsalino ähnliches Modell – oder eben ein echter Borsalino. Haare offen tragen, Hut drauf!

BERG-FOLKLORE

Der Skilehrer: In aufgeplusterter, bunter Ballonseide macht er tagsüber die Pisten unsicher, im Norwegerpulli bringt er abends am Kaminfeuer junge Mädchen und verheiratete Frauen um den Verstand. Dolce & Gabbana haben seinen Look aufgegriffen und rot-weiße Norwegermusterbodies entworfen – aus kuscheligem Strick. Mit Jeans oder Flanellhose bilden sie eine straßentaugliche Alpenausstattung. Bei Proenza Schouler findet sich das Norwegermuster zum Blumenrock und Tribal-Strick zur Bleached Jeans.

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