FRAUENDARSTELLUNGEN UM 1930„Glamour!“ : Mondäne Marlene

Bernhard Schulz

Tamara de Lempickas mondänes Bildnis einer wohlhabenden Amerikanerin vor der Kulisse stilisierter Hochhäuser auf der Titelseite der Zeitschrift „Die Dame“ vom Oktober 1930 – das gibt perfekt das Frauenbild gegen Ende der Weimarer Republik wieder. Das „Girl“ der zwanziger Jahre war durch das von Hollywood und der deutschen Ufa geprägte Ideal der selbstsicheren, eleganten Dame abgelöst worden. Marlene Dietrich, Lilian Harvey oder Brigitte Helm prägten in Deutschland diesen Typus, den Film und Fotografie beispielhaft ausformten und der in der bildenden Kunst nur mehr nachgeahmt wurde.

Den „Frauendarstellungen in der späten Weimarer Republik“ geht unter dem bezeichnenden Titel „Glamour!“ das GeorgKolbe-Museum nach und führt Kunst, Fotografie, Mode und Gestaltung zusammen. Eigentümlicherweise fiel die Glanzzeit des Damen-Ideals in die Elendsjahre der Weltwirtschaftskrise. Und doch schauten die Massen auf die ebenso feminine wie sportliche, grazile wie selbstbewusste Dame. Die bildende Kunst, in der Mitte der zwanziger Jahre doch so stark, fand keine eigenständige Formulierung auf den medial verbreiteten Typus: So kam die geheimnisvoll-mondäne de Lempicka zu ihrer Prominenz. Christian Schad schuf Bildnisse von kühler, zeitlos stillgestellter Schönheit. Gesellschaftskritik war nicht mehr gefragt. Man wünschte sich, dass die stilgerecht gekleideten Damen, deren Bilder das Kolbe-Museum zeigt, in der im Bauhaus-Archiv nachgebauten Bar der Pariser Werkbund-Ausstellung von 1930 Platz nähmen! Ein Traum. Bernhard Schulz

Georg-Kolbe-Museum, So 17.2. bis Mo 12.5., Di-So 10-17 Uhr, 5 €

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