FREAK ROCKYeasayer : Magische Mischung

Jörg W er

Die Legendenbildung muss noch ein wenig warten. Denn viel Außermusikalisches gibt es über diese Band bislang nicht zu berichten. 2006 in Brooklyn gegründet, erregen Yeasayer ein Jahr später auf dem SXSW-Film- und Musikfestival in Austin, Texas erstmals das Interesse einer verschworenen Fangemeinde, deren Geschmack sich deutlich abseits des Indie-Gitarren-Mainstreams verorten lässt. Über die vier Bandmitglieder ist wenig bis nichts bekannt, selbst das übliche Webseiten-Geprahle scheinen Yeasayer nicht mitzumachen.

Stattdessen bringen sie Ende 2007 ihr Debütalbum „All Hour Cymbals“ heraus, das man nur als sensationell bezeichnen kann. In elf verwegenen Songs skizzieren sie ein musikalisches Paralleluniversum, das aus der uns bekannten Popgeschichte zwar unzählbar viele Einflüsse entnimmt, sie aber einer alchemistischen Sonderbehandlung unterzieht. So gehen Afrobeat, Heavy Rock, Ambient, Freak Folk, Progressive Rock, Surfpop, Krautrock und der betörende, oft mehrstimmige Gesang magische, nie gehörte Symbiosen ein, die wundersamerweise auch noch in ein konzentriertes Popsong-Format passen. Wer glaubte, dies sei womöglich die live niemals zu reproduzierende Kraftanstrengung lichtscheuer Studiofrickler, wurde bei Yeasayers Lido-Konzert im Februar eines Besseren belehrt: Das klang sogar noch grandioser als auf Platte. Zudem hat man eine traumwandlerischer zusammen spielende und freier von allen Stilkonventionen agierende Band lange nicht gesehen. Wer immer diese schrägen Vögel auch sein mögen, wenn sie so weitermachen, werden die Pop-Hagiografen noch einiges zu tun bekommen. Jörg Wunder

Lido, Do 14.8., 21 Uhr, 15 € BS780

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