Zeitung Heute : Fredi Bobic

„Fürchtet Euch nicht“ - prangt in weißen Lettern vom großen Fußabtreter draußen vor der Haustür. Zwei dunkle, asiatische Figuren bewachen rechts und links den Eingang der weißen Villa im Grunewald. Fredi Bobic öffnet strahlend die Tür. Frisch gebräunt. Eben zurückgekehrt aus München. Drei Tage Fußball- training mit dem Nachwuchs - „das war anstrengend“.

Voller Elan empfängt uns der ehemalige Fußballprofi. Fredi Bobic wirkt entspannt. Der Rasen gepflegt, vor kurzem frisch gestutzt. „Das hab’ ich an meinen freien Tagen gemacht.“ Der Gartenschlauch säuberlich eingerollt in der Ecke. Ein Basketballkorb vor der Garageneinfahrt. Eine idyllische Gegend im Grünen. Ringsum satte Natur, große Gärten, wie geschaffen für junge Familien. Einige freistehende Häuser warten noch auf neue Besitzer. Alte, verwaiste, renovierungsbedürftige Anwesen. Sein Haus hat Fredi Bobic selber entworfen. Seit 2006 lebt er dort mit seiner Familie, in Berlin schon drei Jahre länger. Ein Vertrag bei Hertha BSC lockte ihn. Die Stadt gefällt Fredi. „Aufregend, idyllisch mit viel Wasser und Grün, meine Kinder fühlen sich wohl.“ Beide Töchter spielen Fußball, und allein ihr Lächeln beim Kicken auf der Wiese macht den stolzen Vater glücklich. Die Mädchen finden es lustig, wenn wildfremde Menschen ihren Papa um ein Autogramm bitten. Nur sein Bekanntheitsgrad, der ist den Kindern manchmal peinlich. Eifersucht kommt vor. Verständlich. Welche Tochter teilt den Papa schon gerne mit anderen, und dann auch noch mit fremden Menschen? Heute sind Celine und Tyra in der Schule.

Unser Spaziergang führt uns entlang seiner Joggingstrecke. Je nach Lust und Laune läuft Fredi bis zu dreimal die Woche im Grunewald (1). Der liegt um die Ecke. Zauberhaft zu jeder Jahreszeit. Seine Dalmatinerhündin rennt nebenher. Bewegung macht hungrig. Da kommt ein Abstecher in der Currybude am Roseneck wie gerufen: Krasselt’s Curry & Scampi (2). „Der Tipp stammt von einem guten Freund“ - und schon hält Fredi eine doppelte Currywurst extra scharf, mit allem drum und dran in den Händen. Genau das Richtige, wenn ihn der Heißhunger packt. „Die Currywurst ist überragend, egal um welche Uhrzeit.“ Sichtlich genießt der einstige Fußballprofi, dass er kein Hochleistungssportler mehr ist. Während dem Essen erkennt ihn ein Handwerker am Stehtisch nebenan. Sie plaudern über Stuttgart und die Vorzüge Berlins. Weinberge vermisst er, die Küche nicht. Seine Frau zaubert schließlich handgeschabte Spätzle. Telefonklingeln. Das iPhone ist ein Geschenk seines Sponsors - „die Vorzüge vom Promibonus“, schmunzelt Fredi. Der Anrufer muss warten. Nach der würzigen Leckerei jetzt etwas Süßes. Um die Ecke befindet sich das Fruchthaus Safran (3). Ein kleiner Obst- und Gemüseladen. Die Melone erfrischend und aromatisch, der Salat knackig und geschmackvoll. Täglich frisch geschnippeltes Obst im Becher, selbstgemachter Hirsesalat und Frischkäsecremes. Ausgesuchte Qualität. Freudig empfängt uns Chef Engin in seiner Fruchtoase. Höflich, unaufdringlich und sehr angenehm. Engin begrüßt seine Kunden mit Namen. Das Fußballidol kennt er vom Sehen, „Fredis Ehefrau Britta kommt regelmäßig vorbei“. Beim Kosten der saftigen Erdbeeren spricht den ehemaligen Fußball-Nationalspieler ein Fußgänger mit Hund an. Fredi reagiert ruhig, freundlich und plaudert kurz mit dem wissbegierigen Passanten. Das Telefon klingelt. Da drängelt jemand. Fredi vertröstet den Anrufer. Gelassen schlendern wir weiter Richtung Friseursalon Matthias Reinhold (4). Vor der Tür blitzt ein frisch polierter roter Alfa Romeo mit den Initialen MR auf dem Kennzeichen - unverkennbar der Schlitten vom Chefcoiffeur. „Für Fredis Charakterkopf benötige ich knappe 25 Minuten“, witzelt Matthias Reinhold. Von dem sympathischen Figaro lässt sich Fredi seit über fünf Jahren alle zwei bis drei Wochen frisch frisieren. Konturen nachschneiden, Nacken ausrasieren. Die angenehme Atmosphäre und die sympathischen Mitarbeiter haben Fredi vom ersten Besuch an überzeugt. Mit neuem Friseurtermin in der Tasche ziehen wir weiter. Vor uns die „blaue Lagune“. Fredis Stammtankstelle (5). Bei den derzeitigen Wucherpreisen kostet hier ein Liter Benzin immerhin nur 1,41 Euro. „Das sind derzeit die Billigsten in der Gegend - um die Ecke ist es zehn Cent teurer.“ Die Pächterfamilie Böttcher erfüllt freundlich und sachkundig jeden Wunsch: Wenn Fredi Probleme hat mit seinem Wagen oder ihm die Grillkohle ausgegangen ist. Erstklassig sind zudem die Brötchen. Knackig und frisch. Belegt mit Mozzarella und Tomaten. Einen leckeren Latte Macchiato mit schaumiger Milchhaube serviert uns „die gute Fee“ im Eiffel Café (6). Die freundliche Bedienung ist eine ehemalige Nachbarin. Fredi trifft sich im Eiffel gerne mit Kollegen und Geschäftsleuten. Bei Sonnenschein draußen sitzen, das Treiben auf dem Ku’damm beobachten - einfach gemütlich. Wieder klingelt das Telefon. Da lässt jemand nicht locker.

Um sein Geschäftsenglisch aufzupolieren besucht Fredi regelmäßig das Wall Street Institute (7). Fünf solcher Institute gibt es mittlerweile in der Stadt. Neben Deutsch und Englisch beherrscht das Sprachtalent zahlreiche slawische Sprachen und Französisch. In der Schule war Geschichte sein Lieblingsfach. Geschichte allgemein, sowie die Vergangenheit Berlins faszinieren ihn. Die passende Literatur findet Fredi in der Buchhandlung Kohlhaas & Company im Literaturhaus (8). Schwerpunkt sind Bücher zum Thema Jüdisch-Deutsche Geschichte und Berlin. Das Miteinander von Café, Buchhandlung, Garten, Architektur und Literaturhausveranstaltungen in der Gründerzeitvilla beeindruckt Fredi. Kinder- und Jugendbücher fehlen nicht im Sortiment, aber seine beiden Töchter Celine und Tyra lieben einen anderen Laden: Spiel Vogel (9). Ihr absoluter Lieblingsladen. Ein Tipp von Eltern der Schulfreunde. „Die gesamte Schule meiner Töchter kauft hier Spielzeug ein.“ Die Besitzer sind Spezialisten, kennen jedes Spiel. Sie besorgen alles. Hervorragender Service. Vollbepackt mit Spielzeug ist Fredi normalerweise, wenn er den Spieleladen verlässt. Es klingelt. Die Kicker Redaktion wartet gespannt auf seine Prognosen zu den kommenden Bundesligaspielen. Fredi plaudert drauflos. Lob und Tadel in seiner Bilanz. Ein Kinderspiel für den Fußballexperten. Auf dem Heimweg nimmt sich Fredi eine Pizza mit - knusprig aus dem Steinofen. Die bestellt er sich oft in der gemütlichen Trattoria Toscana (10). Eine heimelige Atmosphäre. Toskanaflair. Typisch rot-weiß karierte Tischdecken. Ein großer Garten umgibt das Eckhaus. „Die Qualität der Zutaten und das Personal machen den Unterschied“, so das Geheimnis von Chef Roberto, „ein freundlicher, typisch südländisch temperamentvoller Italiener mit super Küche und genialer Steinofenpizza“, meint Fredi.

Der nächste Termin steht an. Eine Abendveranstaltung am Fleesensee. Auf entspannende Fußball-EM-Abende im 11Freunde & Tagesspiegel Quartier freut er sich. Fredis EM-Prognose? „Deutschland kommt mindestens bis ins Halbfinale, danach ist es Glücksache, da entscheiden Nuancen.“ Deutschland als Sieger wünscht er sich, als Realist tippt er auf Frankreich oder Italien - „die haben einfach mehr Qualität im Kader“.Sophie Guggenberger

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