Zeitung Heute : Frei oder werkgetreu?

Der Tagesspiegel

Sympathisch wirkt sie, unauffällig, und irgendwie zerbrechlich. Charlotte Link (37), im Hessischen wohnende Bestseller-Autorin – die Gesamtauflage ihrer Romane beläuft sich auf etwa fünf Millionen – sie redet mit unprätentiöser Zurückgenommenheit über das mehrjährige, große Vorhaben des ZDF, ihre Romane zu verfilmen. „Sturmzeit“, ihre erfolgreiche Trilogie, hatte die Produzentin Regina Ziegler bereits als Fünfteiler drehen lassen. Nun macht also „Das Haus der Schwestern“ (ZDF, 20 Uhr 15) den Auftakt für eine neue, von den Mainzern groß angelegte Charlotte-Link-Reihe, Filme, überwiegend erneut von Regina Ziegler produziert.

Wie nahe sieht Charlotte Link selbst „ihre Reihe“ in der Folge jener anderen publikumsträchtigen Verfilmungen: der Rosamunde-Pilcher-Bücher? „Für mich als Zuschauerin ist die Pilcher zu flach, mit klischeehaften Charakteren, mit Liebesgeschichten, deren Ende vorhersehbar ist und einem Leben, das sehr geschönt und so eben eigentlich nicht ist.“ Doch genau so kommt der von Rolf von Sydow inszenierte Auftaktfilm daher. Es mag zwar Charlotte Link drauf stehen – dass noch viel von ihr drin ist, darf bezweifelt werden. „Hochglanzproduktionen mit Starbesetzung, großen Regienamen und europäischen Originalschauplätzen“ nennt das ZDF diese Literaturverfilmungen, die laut Redaktionsleiter Dr. Claus Beling schon immer einen hohen Stellenwert im Programm hatten. Immerhin: Vier Link-Stoffe im Jahr werden es sein, die dem sonntäglichen Abend-Format beste Quoten bescheren sollen, zwei jeweils schon erschienene Romane, und zwei von Charlotte Link eigens für das ZDF neu angefertigte Originalstoffe, die dann von Drehbuchautoren weiter entwickelt werden zu abendfüllenden Fernsehfilmen.

Woher kommen nun die Stoffe, die Charlotte Link in ihren meist dickleibigen Büchern – „Das Haus der Schwestern“ hat einen Umfang von 600 Seiten – verarbeitet? „Ich suche nie einen Stoff, sondern ich warte, dass mich dieser Stoff findet, oder ich über ihn stolpere.“ Auslöser könne etwas ganz Banales sein, aufgefangene Gesprächsfetzen, ein neu entdecktes Bild, nur der Funke, der muss überspringen, damit es ein Roman werden kann. Hinzu kommen Erfahrungen aus dem eigenen Leben.

Angefangen hat sie mit dem Schreiben, mit dieser Lebensnotwendigkeit, von der sie nunmehr seit Jahren leben kann, im Alter von 14 Jahren. Mit 16 begann sie dann, ihren ersten historischen Roman zu schreiben. Es folgten Bestseller wie „Sturmzeit“ oder „Die Sünde der Engel“. Charlotte Link, das ist eine seltene Erfolgsgeschichte und an sich schon Stoff für einen guten Film. Wie empfindet sie die ZDF-Adaptionen? Frei oder werkgetreu? „Es ist eine eigenartige Erfahrung: Auf der einen Seite ganz viel Faszination, wie andere Menschen das interpretieren werden, was man selbst geschrieben hat. Man sieht das dann durchaus nochmal mit anderen Augen. Es ist auf der anderen Seite natürlich auch Frustration, weil man sich ja schon etwas dabei gedacht hat. Gerade ,Das Haus der Schwestern’ ist im Film so stark verändert, dass es eigentlich fast nichts mehr mit meinem Roman zu tun hat. Der zweite Film, ,Der Verehrer’, ist viel dichter an der Roman-Vorlage. Und ich versuche damit umzugehen, indem ich mich selbst sehr zurücknehme.“ Dann spricht sie von der Loslösung vom Medium Film, von diesen zwei getrennten Welten, und dass ihr Buch ja ihr Buch bleibe, und sie das ja vorher gewusst habe, dass man ihre Stoffe bearbeiten werde und wohl auch verändern müsse. Irgendwie schwingt dabei Wehmut mit. Ein Bedauern. „Keine Verletztheit“, wie sie ergänzt. „Der Verehrer“ ist der nächste Link-Film, am Sonntag, den 17. März. Thilo Wydra

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