Zeitung Heute : Freie Schulen haben viele Gesichter

Berlins Schullandschaft zeichnet sich durch eine hohe Gründungsdynamik bei freien Schulen aus – ein Überblick

Katja Gartz

Insgesamt gibt es in Berlin derzeit 178 Schulen die in freier Trägerschaft betrieben werden – so genannte staatlich genehmigte Ersatzschulen. Darunter sind 43 Grundschulen, 41 Oberschulen und 63 Berufsschulen, die übrigen sind Sonder- und Fachschulen. Jedes Jahr kommen neue Schulen hinzu. So gab es im vergangenen Jahr 16 Neugründungen, für dieses Jahr sind 17 geplant. Laut Schulverwaltung ist die höchste Gründungsdynamik bei den berufsbildenden Schulen zu verzeichnen. Viele der Träger konnten sich zuvor mit durch die Bundesarbeitsagentur geförderten Bildungsmaßnahmen profilieren. Fallen die Mittel weg, bietet eine Schulgründung die Möglichkeit, den Standort zu sichern.

Die Schulen in freier Trägerschaft setzen mit unterschiedlichen Profilen und Bildungsangeboten auf eine individuelle Förderung der Schüler, eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern, auf Lernen in kleinen Gruppen sowie auf Ganztagsbetreuung. Einige gestalten ihren Unterricht mit reformpädagogische Methoden – häufig nach Maria Montessori – andere haben ein musisches oder künstlerisches Profil. Immer mehr Schulen verlagern ihren Schwerpunkt auf die frühe Vermittlung von Fremdsprachen und internationale Abschlüsse. Wie die staatlichen richten sich auch die freien Schulen nach den Berliner Rahmenplänen. Insgesamt besuchten im Schuljahr 2004/2005 in Berlin 5,4 Prozent aller Schüler Privatschulen. Spritzenreiter ist Bayern, dort sind es etwa doppelt so viele Schüler. Am stärksten vertreten sind in Berlin die konfessionellen Schulen, darunter sind 17 evangelische, 18 katholische, drei jüdische und eine islamische.

Die Schulen in Trägerschaft der Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg werden nach den Grundsätzen evangelischen Glaubens und Erziehung geführt. Christliche Sinn- und Wertorientierung sind im Schulalltag präsent, die Teilnahme am Religionsunterricht ist Pflicht. Offen ist die Schule auch für Kinder nichtreligiöser Elternhäuser sowie Elternhäusern anderer Religionen. Die Evangelischen Schulen besitzen unterschiedliche Bildungsangebote, beispielsweise stehen im humanistischen Gymnasium zum Grauen Kloster alte Sprachen auf dem Stundenplan, das Gymnasium in Köpenick hat einen musischen Schwerpunkt und die Grundschule in Mitte orientiert sich an der Pädagogik Montessoris. Dazu zählt ein altersgemischter Unterricht in kleinen Gruppen mit Frei- und Projektarbeit. Zum Schulbetrieb gehört außerdem das Engagement der Eltern, die beim Auf- und Ausbau mit anfassen. Der Verein Evangelische Schule Berlin Mitte, gegründet von Eltern aus Mitte und Lichtenberg, setzt sich derzeit mit der Evangelischen Schulstiftung für eine weiterführende Schule in Friedrichshain ein.

Der geeignete Standort wird noch gesucht, losgehen soll es aber schon im Schuljahr 2008/2009. Unterrichtsfach bis zum Abitur ist der Religionsunterricht ebenfalls an den Katholischen Schulen. Bildung und Erziehung orientieren sich am christlichen Menschen- und Weltbild. Doch auch nichtkatholische Schüler werden an den Schulen aufgenommen, wenn die Eltern mit der Zielsetzung der Schule übereinstimmen. Mit acht Schulen vertreten sind die freien Waldorf Schulen. Sie orientieren sich an der Pädagogik ihres Begründers Rudolf Steiner. Die Schüler bleiben von der ersten bis zur zwölften Klassen in einer Klassengemeinschaft, der Unterrichtsstoff wird in Blöcken – dem so genannten Epochenunterricht – erteilt und auf den Zeugnissen stehen keine Noten, sondern ausführliche Beurteilungen. Zum Schulalltag gehört außerdem die Eurythmie, eine Bewegungsart, mit der beispielsweise Gedichte oder Musik dargestellt werden.

Unter dem Dach der privaten Kant- Schule gibt es zwei Grundschulen und zwei Oberschulen, die jeweils international ausgerichtet mit bilingualen oder englischsprachigen Unterricht bis zum Abitur besucht werden können. Außerdem ermöglicht die Kant-Akademie Jugendlichen den Realschulabschluss, die Fachhochschulreife und kaufmännische Berufsausbildungen. Eine Schulausbildung ab der fünften oder siebenten Klasse bis zum Abitur in Deutsch, Französisch und Englisch bietet die Moser Schule in Charlottenburg an. Ein bilinguales Konzept in den Sprachen Deutsch und Englisch verfolgen die Metropolitan und die Phorms School in Mitte.

In der ersten Aktivschule Berlin gilt für den Unterricht der Montessori-Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“. Lehrer gelten als Begleiter, Schüler lernen selbstständig sowie voneinander. Die Grundschule wendet sich sowohl an Kinder mit Lernschwächen als auch an Hochbegabte.

Für suchtgefährdete Kinder alkoholabhängiger Eltern entsteht in Pankow derzeit eine Ganztagsschule. Stark gemacht hat sich dafür der Verein Karuna, der sich um Kinder und Jugendliche kümmert, die auf der Straße leben. Der Umbau der ehemals Evangelischen Schule in der Hadlichstraße wird mit Spenden und durch die Unterstützung von Stiftungen finanziert. Der Schulbetrieb soll im kommenden Schuljahr beginnen.

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