Zeitung Heute : Freie Träger expandieren

Eltern schätzen an Privatschulen bessere Mitspracherechte

Susanne Vieth-Entus

Berlins Privatschulen steuern auf einen neuen Schülerrekord zu. Nach den Ferien werden sie abermals expandieren – trotz des dramatischen Schülerrückgangs in der Stadt und trotz schlechter Rahmenbedingungen bei der staatlichen Förderung. Während die öffentlichen Schulen in den vergangenen zehn Jahren rund 50 000 Schüler verloren, kamen bei den freien Trägern im selben Zeitraum rund 4000 hinzu. Damit unterrichten sie rund fünf Prozent der Berliner Kinder.

Neu ist, dass die Initiative für private Schulgründungen in den vergangenen Jahren zunehmend von Eltern und nicht mehr von großen Trägern wie den Kirchen ausgeht. Dies bedeutet, dass die Eltern am Anfang das wirtschaftliche Risiko tragen müssen: Von der Suche nach einem geeigneten Gebäude bis hin zur Kreditaufnahme, Sanierung der Räume und Einstellung der neuen Lehrer nehmen sie alles selbst in die Hand. Wenn es ihnen nicht gelingt, unter das Dach eines großen Trägers zu schlüpfen, müssen sie jahrelang selbst für die Finanzierung der Schule aufkommen, bis das Land rund 90 Prozent der Personalkosten übernimmt.

„Die Eltern wollen guten Unterricht von engagierten Lehrern“, benennt Christoph Herrmann ein Motiv für die vielen Schulgründungen. Darüber hinaus ist es dem Vorstandsmitglied der Evangelischen Schule Pankow wichtig, dass Religion nicht als etwas „Exotisches“ von außen in die Schulen getragen, sondern als etwas Selbstverständliches von der ganzen Schule mitgelebt wird. Ohne den Rahmen einer solchen Schule sei es in Berlin schwieriger als etwa in seiner Heimat Schleswig-Holstein, die Kinder mit der Kirche in Berührung zu bringen.

Die Pankower Schule kann sich vor Anmeldungen kaum retten. Während ringsherum eine Grundschule nach der anderen geschlossen wurde, hat sie für das kommende Schuljahr über 140 Anmeldungen auf rund 25 Plätze – und dies nur zwei Jahre nach ihrer Gründung.

Auch bei den Waldorfschulen sind es die Eltern, die Neugründungen vorantreiben. Seit diesem Jahr gibt es in Wilmersdorf die Annie-Häuser-Schule, die sich an den Erziehungszielen Rudolf Steiners orientiert. Hier haben die Eltern jahrelang gekämpft, um ihr Ideal einer selbst verantworteten Schule erreichen zu können. Insgesamt gibt es damit in Berlin neun Waldorfschulen mit rund 3000 Schülern.

Die evangelische Kirche unterrichtet über 4000 Kinder an ebenfalls neun Schulen, die katholische Kirche ist als Schulträger Spitzenreiter mit 6800 Kindern an 13 Standorten. Weitere rund 2000 Kinder verteilen sich auf unterschiedliche Anbieter. Das Schulgeld differiert je nach Träger zwischen monatlich 30 Euro (katholische Grundschulen) bis weit über 1000 Euro (British International School).

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