Zeitung Heute : Freier Tag für Kaiser Franz

Philipp Köster hat neue Aufgaben für Fifa-Funktionäre

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Wir wussten, es gibt sie. Vorgestern haben wir allerdings zum ersten Mal zwei Exemplare in freier Wildbahn entdeckt: Fifa-Funktionäre. Wir erkannten sie am gestickten Logo ihres Arbeitgebers auf dem Jackett. Und wir waren ein wenig überrascht. Denn bisher hatten wir uns die Angestellten des Weltverbandes ungefähr so vorgestellt wie die grauen Herren in „Momo“. Aschfahle Gesellen, die mit erloschen Zigarrenstumpen im Mundwinkel Geldbündel sortieren und nebenher absurde neue Regeln beschließen. Tore vergrößern, Drittelpausen einführen, Abseits abschaffen, so die Preisklasse.

Die beiden Fifa-Funktionäre, die wir nun aber im Berliner Olympiastadion sichteten, waren allerdings überhaupt nicht aschfahl, sondern verfügten über das, was Solariumsangestellte eine gesunde Bräune nennen würden. Und zu tun hatten die beiden auch nichts, mindestens eine halbe Stunde wurde nur herumgestanden, in beeindruckender Lautstärke telefoniert und ein wenig geschwätzt.

Da waren wir kurz davor, mal rüberzugehen und den Herren ein paar Hausaufgaben mitzugeben. Zum Beispiel könnten sie dafür sorgen, dass in den WM-Stadien die Musik nicht jedes Mal bis zum Anschlag aufgedreht wird, wir haben aus den Spielen in Leipzig und Gelsenkirchen bereits geschätzte 35 Prozent Hörkraftverlust auf beiden Ohren. Auch schön wäre, beim nächsten Mal von den Ordnern im Berliner Olympiastadion nicht derart rüde durchsucht zu werden, als hätten wir Marschflugkörper und Eierhandgranaten im Rucksack. Und schließlich sollte Franz Beckenbauer mal einen Tag freibekommen, auf dem kurzen Dienstweg. Der Mann sieht sehr angegriffen aus.

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