Zeitung Heute : Freiheit für Freiburg

Der Tagesspiegel

Von Christoph Kieslich

Freiburg. Die großen Entscheidungen für Freiburg sind gestern Abend vertagt worden. Etwa die, ob die Stadt einen grünen Oberbürgermeister bekommt – der Kandidat hat jedenfalls Vorsprung vor der CDU-Konkurrentin. In zwei Wochen werden auch die Fußball-Anhänger mehr wissen. Seit gestern ist aber klar: Der SC Freiburg hat sich nicht aufgegeben, und er kann noch gewinnen.

Das 3:1 (0:0) gegen den Europacup-Aspiranten und Hertha-Konkurrenten 1. FC Kaiserslautern war nach sechs Niederlagen ein befreiendes Erlebnis für die Freiburger; auch die Negativ-Rekordserie von zwölf Spielen ohne Sieg wurde durchbrochen. Und plötzlich ist der SC zurück im Rennen. Ein Punkt trennt ihn von Nürnberg. Die Trendwende kommentierte SC-Trainer Volker Finke erleichtert, aber nicht überschwänglich: „Heute ist ein kleiner Schritt gemacht worden. Ich hoffe nur, dass es nicht zu spät ist.“

Mit einer Anfangsformation, die an bessere Freiburger Zeiten erinnerte, begann der SC die Partie und mit einer taktischen Neuerung: Konde und Diarra beschatteten im Zentrum Lokvenc und Klose; Müller rückte vor diese Linie. Diese neue Ordnung verhinderte indes nicht, dass die Pfälzer im ersten Durchgang zu mehreren guten Situationen kamen. „Damit darf man nicht so leichtfertig umgehen“, haderte FCK-Teamchef Andreas Brehme. Seine Schlussfolgerung: „Wir haben das Spiel schon in der ersten Halbzeit verloren.“ Dagegen durfte sich Finke nach den vielen Nackenschlägen der vergangenen Monate erstens über einen glänzenden Schlussmann Timo Reus freuen. Und dann ging Freiburg zu einem günstigen Zeitpunkt in Führung – ein Gefühl, das man im Breisgau auch schon länger nicht mehr hatte. Kapitän Levan Kobiaschwili behielt bei einem von Ramzy an ihm selbst verschuldeten Elfmeter wenige Sekunden nach Wiederanpfiff die Nerven – auch das keine Selbstverständlichkeit.

„Anschließend haben wir verdient gewonnen“, sagte Finke, und deutete damit an, dass die Freiburger mit dem 1:0 im Rücken auf einmal wieder zu jener spielerischen Selbstverständlichkeit fanden, die ihnen abhanden gekommen war. Das 2:0 war ein perfekter Konter über die eingewechselten Männer und Ramdane. Sellimi erzielte sein fünftes Tor und krönte eine Leistung, die man dem am Knie lädierten Tunesier nicht zugetraut hätte. Dass dann ein 19-jähriger Abiturient das dritte Tor machte, passte zum neuen Mut, den Freiburg im Abstiegskampf geschöpft hat: Jan Männer, U20-Nationalspieler, stand nach einem Freistoß von But goldrichtig und drückte die Kugel über die Linie. Der Handelfmeter (Zkitischwili), den Klose gegen den gut reagierenden Reus erst im zweiten Anlauf versenkte, tat der aufkeimenden Hoffnung im Breisgau keinen Abbruch.

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