Zeitung Heute : Fremde Sprachen: Sprachsalat

Susanna Nieder

Letzte Woche hat der russische Präsident, Wladimir Putin, eine Rede im deutschen Parlament gehalten. Alle waren schwer beeindruckt, weil er nicht Russisch sprach, sondern Deutsch. Es ist nämlich nicht leicht, eine fremde Sprache zu lernen. Man muss viel büffeln, Bücher und Zeitungen in dieser Sprache lesen, am besten eine Weile in dem Land leben, wo sie gesprochen wird, und sich mit den Leuten unterhalten. Deshalb sind die Menschen so beeindruckt, wenn man sie in ihrer Sprache anspricht: Weil sie merken, da hat sich jemand mit uns, unserer Sprache und unserer Art zu leben beschäftigt.

Manche Kinder haben auch Glück. Sie lernen von Anfang an zwei Sprachen, weil sie zum Beispiel in Deutschland leben, bei ihnen zu Hause aber Polnisch gesprochen wird. Oder Türkisch, Spanisch, Französisch - je nachdem, wo ihre Eltern herkommen. Ein paar Wörter aus einer fremden Sprache kennt aber jeder von uns.

Momentan ist Englisch die große Mode. Fremdsprachige Wörter kommen oft mit den Gegenständen, die sie bezeichnen, zu uns. Früher gab es zum Beispiel Rollschuhe, das waren doofe Krücken, mit denen man nicht von der Stelle kam. Jetzt gibt es Inline Skaters - viel cooler. Walkman, Computer, Indoor Spielplatz - wir können gar nicht genug kriegen von englischen Wörtern. Und ein so cooles Wort wie cool gibt es auf Deutsch auch nicht. Wir finden Englisch so cool, dass wir sogar Wörter erfinden, die englisch klingen, es aber gar nicht sind. Das Wort "handy" gibt es zwar, aber es bedeutet "praktisch". Wenn ihr jemanden auf Englisch fragt, ob ihr mal sein Handy benutzen dürft, werdet ihr nicht weit kommen.

Man kann sich überhaupt leicht irren, wenn man eine fremde Sprache lernt. Manche Wörter sehen genau aus wie auf Deutsch, bedeuten aber etwas ganz anderes. "Armut" ist zum Beispiel das türkische Wort für "Birne". "Strom" bezeichnet auf Tschechisch weder einen Fluss noch Elektrizität, sondern es heißt "Baum". Und wenn man jemandem auf Englisch ein "gift" gibt, will man ihn nicht umbringen, sondern man überreicht ihm ein Geschenk.

Die vielen englischen Wörter, die wir heute im Deutschen gebrauchen, finden die meisten Leute hässlich. Aber Sprachen beeinflussen sich immer gegenseitig. Vor 300 Jahren benutzten gebildete Deutsche sehr viele französische Wörter. Puder, Armee, Bonbon - diese und viele andere Begriffe haben wir aus dem Französischen übernommen. Dafür schicken die Amerikaner ihre Kinder in den "kindergarden", und die Russen schmieren sich ein paar "buterbrody", wenn sie einen Ausflug machen. Eins ist jedenfalls sicher: Es kann kein bisschen schaden, ein bis zwei Fremdsprachen zu lernen - auch, wenn es viel Arbeit macht. Denn wer Sprachen kann, dem öffnet sich die Welt.

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