Zeitung Heute : Freud und Leid der Abschiedsfrist So kommen Sie aus Ihrem Vertrag

Rolf Winkel

Die tariflichen Kündigungsfristen geben Arbeitnehmern eine gewisse Sicherheit: Sie können nicht von heute auf morgen auf die Straße gesetzt werden. Umgekehrt binden diese Fristen in der Regel aber auch den Arbeitnehmer. Wer am liebsten sofort aus seinem Job aussteigen will, etwa weil ein anderer Arbeitsplatz lockt, der sicherer scheint, besser bezahlt ist oder näher zum Wohnort liegt, hat ein Problem. Was also tun?

Rechtsanwalt Michael Felser aus Brühl rät: „In jedem Fall zunächst einmal dem Noch-Arbeitgeber gegenüber die fristgemäße Eigenkündigung – etwa zum Quartalsende – aussprechen.“ Gleichzeitig sollten der Arbeitnehmer im Kündigungsschreiben deutlich machen, dass er so schnell wie möglich ausscheiden möchte – und zwar mit einer einvernehmlichen Regelung. Die Chancen, dass sich die Gegenseite darauf einlässt, sind nicht schlecht. Denn Arbeitgeber legen in der Regel wenig Wert darauf, Arbeitnehmer zu binden, die in Gedanken schon bei der anderen Firma sind. Zudem können Betroffene selbst dazu beitragen, den abrupten Weggang abzufedern. Felser: „Wer einen verantwortungsvollen Job hat und Projekte managen muss, kann beispielsweise betonen, dass er angefangene Arbeiten weitestmöglich abschließen und Kollegen in die Aufgaben einweisen wird."

Und wenn der Arbeitgeber einen Beschäftigten partout nicht vorzeitig gehen lassen möchte? Felser sieht hier durchaus eine Möglichkeit: „Wenn man dann von sich aus – und ohne Einvernehmen, aber mit Vorankündigung – die Arbeit quittiert, kann einem nicht viel passieren." Wer vorher – am besten schriftlich! – klar und deutlich gemacht habe, dass er alles tut oder tun würde, um Ungemach von seinem bisherigen Arbeitgeber abzuwenden, brauche Schadensersatzansprüche kaum befürchten. Die derzeitige Arbeitsmarktlage mache es Arbeitgebern in der Regel leicht, eine Ersatzkraft finden.

In manchen Arbeitsverträgen – vor allem für leitende Mitarbeiter – sind bei vorzeitigem Wechsel allerdings Vertragsstrafen vorgesehen. „Keine Panik“, rät Felser auch hier. Vertragsstrafen seien umstritten, im Zweifelsfall sähen Arbeitsgerichte solche Strafen als ungerechtfertigt an.

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