Zeitung Heute : Friede Springers Machtwort

Der Tagesspiegel

Von Ulrike Simon

Ihr könnt machen, was ihr wollt, meine Meinung ändere ich nicht. Das ist das Fazit des Interviews von Wilm Herlyn, Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa), mit Friede Springer, Mehrheitsaktionärin des Axel Springer Verlags. Das Interview, das Herlyn telefonisch geführt hat, ist im Wortlaut nachzulesen in der „Welt am Sonntag“ und in der Sonntagsausgabe der „Berliner Morgenpost“, beides Zeitungen des Axel Springer Verlags.

Schon vor zwei Monaten hatte Friede Springer im Tagesspiegel gesagt, sie sehe keinen Bedarf an einer Veränderung der Aktionärsstruktur. Sollte es dennoch dazu kommen, halte sie an der Mehrheit fest, und zwar langfristig. Vielmehr sei sie bereit, ihre Anteile um ein paar Prozent aufzustocken. Sie reagierte damit auf Spekulationen, wer Kirchs verpfändete Beteiligung an Springer übernehmen könnte. Der Anteil, für den Kirch Stimmrechte besitzt, beträgt laut Aktienbuch 40,33 Prozent. Es sind vinkulierte Namensaktien, dem Verkauf müsste die Mehrheitsaktionärin Friede Springer also zustimmen. Schon damals, Anfang Februar, machte die Verlegerwitwe deutlich, dass sie im Fall eines Verkaufs der Kirch-Beteiligung nicht bereit ist, einem Partner aus der Medienbranche die Türen zum Verlag zu öffnen und sie daher eine Lösung präferiere, bei der eine oder mehrere Banken Anteile an Springer halten.

Das Gerücht vom Rückzug

Zu diesem Zeitpunkt hatte die WAZ- Gruppe gerade öffentlich ihr Interesse an Springer bekundet. Im Tagesspiegel hatte WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt gesagt, Springer wolle höhere Renditen erwirtschaften – „wir wissen, wie das geht". Zudem kamen Gerüchte auf, wonach Friede Springer amtsmüde sei und nicht ausgeschlossen wurde, dass sie sich aus dem Verlag zurückziehen wolle. Das war es, weswegen sich Friede Springer damals veranlasst sah, ein für allemal öffentlich festzustellen, dass nach Kirch kein anderes Medienunternehmen mehr die Chance haben werde, im Verlag ihres verstorbenen Mannes eine strategische Rolle spielen zu können.

Zunächst sorgte sie damit ein paar Tage lang für Ruhe. Dennoch wurde immer wieder spekuliert, ob nicht vielleicht doch Rupert Murdoch Kirchs Beteiligung an Springer übernimmt. Oder Silvio Berlusconi. Oder ein anderer Verlag. Oder doch die WAZ. Die Essener wurden nicht müde, ihr Interesse öffentlich zu bekunden und immer mal wieder zu betonen, sie hätten ja gar kein verlegerisches, nur ein kaufmännisches Interesse. Zuletzt hieß es am Donnerstag in der „Zeit“, WAZ und Springer hätten sich einander angenähert.

Man kennt das vom Bundeskanzler, wenn er ein „Machtwort“ spricht und „basta“ sagt. Und vielleicht würde es Gerhard Schröder ganz gern sehen, wenn die SPD-freundliche WAZ mit seinem Freund Bodo Hombach an der Spitze an jenem Verlag beteiligt wäre, dem „Bild“ und „BamS“ gehört und der eventuell bald auch viel in der „Glotze“ macht. „Ein feindlicher Investor hätte keinen Sitz im Aufsichtsrat und damit letztlich nicht die erhofften Einfluss- und Mitsprachemöglichkeiten, sei es verlegerisch oder kaufmännisch.“ Auf die Frage, ob das auch für die WAZ- Gruppe gelte, sagt sie: „Da spricht das Kartellrecht dagegen, da spricht die Vinkulierung dagegen. Und wir sind dagegen". Und zur WAZ sagt sie außerdem: „Die Verlage passen nicht zusammen.“

Friede Springers Vorstellung von der Zukunft ihres Verlags sieht anders aus: Erstens ergäben sich im deutschen Fernsehgeschäft „immer wieder neue Perspektiven“, damit auch Springer „eine maßgebliche Rolle“ spielt. Die ergeben sich jetzt, wenn Kirch Springer bei der ProSieben Sat1Media AG ausbezahlen kann. Springer hofft, einen maßgeblichen Anteil an der Senderfamilie oder an Kirch Media zu bekommen. Zweitens wiederholt sie: „Eine Aufstockung meines Anteils um ein paar Prozent kann ich mir gut vorstellen.“

Der Kapitalmarkt als Partner

Drittens: Sie will gemeinsam mit Ariane und Axel Sven Springer, den Enkeln des Verlagsgründers, der am 2. Mai 90 Jahre alt geworden wäre, „die Zukunft des Axel Springer Verlages aktiv und auf lange Sicht mitgestalten". Wieder erteilt sie „sicher nicht ohne Absicht“ gestreuten Gerüchten, sie würde aussteigen, eine klare Absage. „Die Mehrheit am Axel Springer Verlag steht heute und in Zukunft nicht zur Verfügung.“ Und sie hat einen strategischen Wunschpartner: „Ja, den Kapitalmarkt.“ Basta. Jetzt hat Friede Springer ein Machtwort gesprochen.

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