Friedrich der Große : Jedem seinen König

Ob Zinnfigur, Statuette oder Werbe-Ikone: Der Preußenkönig war im Alltag schon immer präsent – bis heute.

Gruß an die Raucher. Der Preußenkönig zu Pferde mit charakteristischem Dreispitz schmückt eine Tabaklade, um 1778 (Ausschnitt).
Gruß an die Raucher. Der Preußenkönig zu Pferde mit charakteristischem Dreispitz schmückt eine Tabaklade, um 1778 (Ausschnitt).Foto: DHM Berlin

Wie Widergänger wandeln sie am Berliner Brandenburger Tor oder im Park von Schloss Sanssouci in Potsdam herum. Sie tragen einen blauen Rock mit roten Umschlägen, die graue Lockenperücke wird von einem Dreispitz bekrönt, im Gesicht klebt eine knollige Nase. Die Männer schlüpfen in die Rolle von Friedrich dem Großen. Sie warten auf Touristen, Fotoapparate, Kleingeld. Doch wer glaubt, dass das die einzige Möglichkeit ist, dem Alten Fritz im Alltag zu begegnen, der irrt. Erst im vergangenen Jahr landete eine ganz possierliche Version des Monarchen in den Regalen der Spielzeugläden: 40 Zentimeter groß, mit einer plüschigen Nase und weichem Fell: Steiff hat einen Friedrich-Teddy aufgelegt, Auflage 1000 Stück, ein Sammlerobjekt.

Das ist der Preußenkönig schon lange. Die Ausstellung „Friedrich der Große – verehrt. verklärt. verdammt“ im Deutschen Historischen Museum (DHM) führt die Besucher ins Kinderzimmer, an Wohnzimmer-Vitrinen und Litfasssäulen. Friedrich als Spielfigur, als Abenteuerroman-Held, als Souvenir und Werbefigur.

„Die Popularisierung begann sofort nach seinem Tod“, sagt Thomas Weißbrich, Experte für Militaria und Mitkurator der Schau, „spätestens im neuen Kaiserreich wurde er zur zentralen Identifikationsfigur.“ In Friedrich sah man den Wegbereiter des preußisch-deutschen Nationalstaats.

So tauchte Friedrich als kleine Statuette auf den bürgerlichen Schreibtischen und Kaminsimsen auf, zu Pferde oder zu Fuß. Die Qualität der Arbeiten reichte von künstlerisch wertvoll bis kitschig, von Bronze bis Porzellan. Gerne wurden diese Figürchen und Büsten auch verschenkt. In militärischen Kreisen war es bis in die 1930er Jahre üblich, dass der Regimentskommandeur Offizieren ein Miniatur-Reiterstandbild überreichte.

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