Frimenwebsite : Die Kunden bewegen sich im "Dreisprung" durch das Internet

Bietet sie mehr als drei "Klicks", gilt die virtuelle Visitenkarte als verspielt. 3000 Euro sollte man in eine sinnvolle Firmenpräsentation investieren, meinen Experten.

Lutz SteinbrückD
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Wie schmeckt eigentlich Salami-Schokolade? Die Antwort findet man im Berliner Schokoladengeschäft „in’t Veld“. Die fleischlose Kakao-Nougat-Rolle wird in der hauseigenen Manufaktur hergestellt und im Laden verkauft. Anschauen und bestellen lässt sich die süße Versuchung aber auch im Online-Shop des Unternehmens. „Mittlerweile laufen zehn Prozent unseres Geschäfts über das Internet“, erzählt Geschäftsführer Holger in’t Veld. „Die Website ist notwendig, um neue Kunden zu erreichen, auch international. Häufig entdecken sie uns auf diesem Weg.“

Darauf setzen viele Unternehmen. Sie wissen um die enorme Reichweite und Werbewirksamkeit einer Web-Präsenz. „Allein in Deutschland haben über achtzig Prozent der unter Fünfzigjährigen einen Internetanschluss“, hat Felix Beilharz recherchiert. „Fast alle suchen hier gezielt nach Angeboten.“ Beilharz ist Mitautor des Buches „Online-Marketing“ und als Referent und Berater am Deutschen Institut für Marketing tätig. Das unabhängige Forschungs- und Beratungsunternehmen hat seinen Sitz in Köln. Für das Jahr 2008 ergab eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes, dass immerhin noch 40 Prozent aller deutschen Unternehmen noch ohne eigene Website waren (siehe Grafik). In der Mehrzahl nutzen die im Web präsenten Unternehmen ihre Homepage zur Veröffentlichung von Produktkatalogen oder Preislisten: Daher sind Unternehmen aus dem Kredit- und Versicherungsgewerbe, Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung besonders stark vertreten.

„Eine sinnvolle Firmenpräsentation im Internet kostet mindestens 3000 Euro“, sagt Moritz Denker, Geschäftsführer der Berliner Kommunikationsagentur Denkfeld, die Firmen für Internetauftritte berät. „Zur Grundausstattung einer Website zählen die Einstiegsseite, ein Kontaktformular, das Impressum sowie Informationen über das Team, Referenzen und Aktuelles aus der Firma.“ Nach seiner Erfahrung sorgt eine Mischung aus kurzen Texten, ausdrucksstarken Fotos und Firmenvideos für positive Resonanz bei den Nutzern.

Web-Designer kümmern sich um die professionelle Programmierung von Websites. Unternehmer können sich aber auch an Kommunikationsagenturen wenden. „Die haben den Vorteil, dass Web-Designer, Grafiker, Texter und Fotografen zusammenarbeiten und ein Gesamtpaket mit vielen Möglichkeiten anbieten können“, sagt Denker. Firmen sollten aus seiner Sicht ein Content Management System (CMS) nutzen, weil sie damit ihre Website selbst und unabhängig vom Dienstleister aktualisieren können. Ist die Homepage fertig, wendet man sich an einen Webhoster, der einen Server-Platz im Internet zur Verfügung stellt. „Bei der Auswahl sollte man darauf achten, dass der Webhoster einen guten Spamfilter anbietet und ständig erreichbar ist, falls es zu Problemen kommt.“

„Unternehmen sollten sich überlegen, welche Ziele sie mit einer Website verfolgen und ihre Homepage entsprechend nutzerfreundlich gestalten“, rät Beilharz. In der Regel geht es darum, Kunden zu binden, Neukunden zu gewinnen oder die Produkte im Online-Shop zu verkaufen. Die Internetpräsenz von Air Berlin zum Beispiel ist primär als Buchungsplattform konzipiert. „Über unsere Homepage verzeichnen wir dreißig bis vierzig Prozent unserer Buchungen“, sagt Air-Berlin-Pressesprecherin Diane Daedelow.

Für Firmen ist es wichtig, online schnell gefunden zu werden. Eine wesentliche Rolle spielen dafür die Suchmaschinen. „Fünfzig bis siebzig Prozent der Besucher von Firmen-Websites kommen in Deutschland über Google“, berichtet Felix Beilharz. „Es gibt ein Google-Ranking für Suchbegriffe, nach dem auch Unternehmen positioniert werden und das sich nach etwa zweihundert Faktoren bemisst, von denen nicht alle bekannt sind. Entscheidend ist, in diesem Ranking weit oben zu stehen. Denn zwei Drittel der Nutzer schauen bei ihrer Google-Suche nur die erste Ergebnisseite an und versuchen ihr Glück dann mit anderen Suchbegriffen.“ Es ist bekannt, dass viele Verlinkungen anderer Websites auf eine Homepage dafür sorgen, dass diese eine höhere Position im Ranking bekommt. Um das zu erreichen, können Unternehmen ihre Links untereinander tauschen und sammeln.

Für die Nutzung von Firmen-Websites gilt: Je weniger Klicks, desto besser. Beilharz nennt eine gängige Formel, nach der Besucher im Schnitt nur drei Klicks auf einer Website verweilen. Bei der Programmierung sei zu beachten, dass Suchmaschinen sich an Texten orientieren. Daher sollten Firmen nicht vorrangig auf Videos und Flash-Animationen setzen, sondern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Text- und Bildelementen anstreben. Auch aus juristischen Gründen sollte genau überprüft werden, was auf den Seiten zu sehen, zu lesen und eventuell auch zu hören ist. Formale Fehler können teuer werden, wenn etwa Widerrufsbelehrung oder Impressum fehlen. Lutz Steinbrück

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